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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-03-01 · Heft 3 (1.3.1905) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 3 (1.3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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Zelotismus, von Glaubenshaß, vom Streben, Religion und Kirche zur Erzielung weltlicher Vorteile zu verwenden, frei war." Interessant, wenn zutreffend, ist noch eine Aeußerung des Erzbischofs gegenüber dem Mitarbeiter des genannten Blattes in Bezug auf den Antisemitismus. Schork sagte zu demselben: „Der Antisemitismus fällt bei uns in Bayern auf keinen fruchtbaren Boden, ich habe in meiner Diözöse nicht einen einzigen antisemitischen Pfarrer. Vor einiger Zeit hatte ich eine Verhandlung mit einem höheren protestantischen Geistlichen, welche diesem Anlaß gab, mich zu fragen, ob ich auch Antisemit sei. Ich antwortete: Nein, und zloar ans drei Gründen: Erstens bin ich Mensch und darf als solcher nicht hassen: zweitens bin ich Christ und muß als solcher meinen Nächsten lieben, und drittens" — hier wurde er heftig — „biu ich überzeugt, daß dieser Schlamm des Antisemitismus auch noch unsere heilige Kirche bespritzen wird." Und als dann der Lutheraner meine Argumente bekämpfen wollte und zu nörgeln fortfuhr, replizierte ich scharf: „Nun, ich habe noch einen vierten Grund: Ich bin kein Antisemit, weil Sie einer sind." — Der bekannte Breslauer Philanthrop Herr Rittergutsbesitzer Julius Schottländer, der am 22. März 1905 seinen siebzigsten Geburtstag feiert, hat 3 Millionen Mark für Stiftungen bestimmt. Ter Hauptteil des Zinsertrages (90 Prozent) soll dazu dienen, wohltätigen Anstalten, Gesellschaften und Vereinen, und zwar nicht bloß jüdischen, sondern auch solchen ohne Unterschied der Konfession in ihrem weiteren Bestehen zu fördern. In Betracht kommen dabei die gemeinnützigen Vereine sowohl seiner Geburtsstadt Münsterberg als auch seiner Heimatsstadt Breslau und des Landkreises. — Eine Stiftung von einer halben Million Mark bestimmte für humanitäre jüdische Zwecke Iran Bertha Schot tläu der in Breslau. — Man berichtet: Am 23. Januar starb in Erfurt der verdiente langjährige Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Isaak Lamm, im 00. Lebensjahre. Er war eine in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeachtete Persönlichkeit. — In einer jungst stattgehabten Plenarsitzung des Wiener israelitiichen Kultusvorstandes wurde das Gemeinde-Budget für 1905, das die Höhe von nahezu 2lMillionen Kronew erreicht hat, zur endgiltigen Genehmigung vorgelegt. — Der hervorragende Gelehrte S a l o m o n Bube r in Lemberg, der mit unermüdlichem Fleiße die noch nicht herausgegebenen Manuskripte Raschis gesammelt hat und mit ihrer Veröffentlichung beschäftigt ist, fordert anläßlich des am 29. Tanms stattfindenden 800jährigen Todestages Raschis zu Beiträgen für eine Raschi- Stiftung auf. Herr Buber selbst hat bereits 300 Kronen gezeichnet, und verdient seine Aufforderung Unterstützung und Teilnahme. — In Prag sprach über das Thema „Die Welträtsel und ihre Lösung nach dem Buche Hiob" Herr Universitätsdozent Dr. Isidor Pollak im „Verein zur Verbreitung und Förderung der Wissenschaft des Judentums". Zunächst verwies der Vortragende auf die Analogien zwischen dieser großartigen Schöpfung der hebräischen Literatur und Goethes „Faust" und zeigte, daß der größte deutsche Dichter, allerdings in genialer Weise, sich jene zum Vorbild genommen habe. Wie die Sage vom Dr. Faust Jahrhunderte vor Goethe bestand, so habe auch die Hiobsage lange vor der Entstehung des kanonischen Buches Hiob existiert: auf diese Weise sei dann auch die Erscheinung Satans in dem alttestamentarischen Werke zu erklären. Der Vortragende entwarf nun in großen Zügen den Inhalt des Buches Hiob und kam dann auf das eigentliche Thema, die Welträtsel zu sprechen:

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