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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-03-01 · Heft 3 (1.3.1905) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 3 (1.3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 40000 Mark juv Gewährung von Beihilfen an kleine Gemeinden zur Besoldung von Religlouslehreru, und viele andere interessante Mitteilungen. — Im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt Herr Professor Dr. Klein, Oberrabbiner in Stockholm, einen Bortrag über das Thema: „Die jüdischen Quellen des Vaterunser". Der Redner ging davon aus, daß es sowohl in Dilettantenwie in wissenschaftlichen Kreisen jetzt Mode geworden sei, die Bedeutung des Judentums für die Entstehung des Christentums herabzusetzcn. Rach Kleins Dafürhalten ist die Urform des Vaterunser im Evangelium Matthäus zu suchen, denn nur in dieser Form entspricht das Gebet den Anforderungen, die an ein jiidisches Gebet gestellt werden müssen. Rach talmudischer Anschauung soll ein Gebet aus drei Teilen bestehen: es beginne mit einer Verherrlichung Gottes, darauf folge das individuelle Gebet, die Testllah, und den Schluß bilde eine Topologie, eine Danksagung. Genau nach dieser Einteilung enthalten die ersten drei Bitten des Vaterunser eine Verherrlichung Gottes, die mittleren die eigentliche Tesillah und die siebente Bitte enthält die Toxologie. Wichtige Parallelen zum Vaterunser finden sich in der talmudischen Literatur wie in der jüdischen Liturgie «Kaddischgeben, wie der Redner im einzelnen ausführt. In trefflicher Weise zeigte er, daß im Vaterunser Geist vom jüdischen Geiste wehe. Israel hat, so schloß der Redner, seit der Psalmistenzeit die Völker der Welt beten gelehrt, durch das Gebet die Welt erleuchtet und erwärmt. Ein Rückblick auf das, was Israel geleistet, auf den Segen, der aus den Hütten Sems hervorgegangen ist, gibt uns Mut, auszuharren in bitterer Zeit. Und so bürgt denn die Vergangenheit Israels für die Zukunft. — In einem Buche: „Unser Vaterland Japan", Leipzig, E. A. Seemann, von den hervorragendsten Staatsmännern verfaßt, heißt es über das Christentum: Ieüt sei es i.das Christentum» nicht mehr, wie Jesus von Nazareth es lehrte, sondern ein Bastard Spstem der Moral, ein Gebräu, ein Etwas von abgelebtem Judaismus, von aegyptischer Askese, von griechischer Erhabenheit, von römischer Arroganz, von teutonischem Aberglauben, und tatsächlich etwas von Allem, was es der irdischen EHstenz erleichtert, die Massenabschlachtung schwächerer Klassen zu sanktionieren, und ab und zu auch das Köpfen gekrönter Häupter. — Im Preußischen Abgeordnetenhaus hat'jüngst der freisinnige Abgeordnete Gyßl i n g darauf hingewiesen, daß in der ungleichen Behandlung der Richter, je nachdem jie Inden oder Christen sind, ein System liege, das mit gewissen Paragraphen der Verfassung nicht gut in Einklang zu bringen sei. Darauf kani es zu folgenden knappen Altseinandersetzungen. Justizminister Schönstedt: „Ich muß es ablehnen, auf diese Frage einzugehen, da verfassungsmäßig die Ernennung von Richtern zur Prärogative der Krone gehört." Abg. Gyßling: „Der Minister ist für die Ernennung der Richter verantwortlich. Da er mir sachlich nichts erwidert, muß ich annehmen, daß er sachlich nichts zu erwidern wußte." Instizminister Schönstedt: „Meiner Verantwortung bin ich mir voll bewußt". — Dem verstorbenen Würzburger Erzbischof D^r. v. Schork widmet ein Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" der mehrere Jahre hindurch mit ihm regelmäßig im Brennerbad in der Sommerfrische zusammengetroffen tvar, Erinnerungen, denen lvir einige interessante Episoden entnehmen: „Die weltgebietende römisch - katholische Kirche war ihm die Form, in der sich das Wesen der Nächstenliebe, der Menschenverbrüderung, entwickeln sollte, daher er auch von allem

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