Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Rom, wo er mit bem Papste Clemens VII und anderen Kardinalen freundschaftlichst verkehrte. Jedoch der Leibarzt des Papstes Jakob Manlino erkannte ihn bald als einen Schwärmer und Abenteurer und verfolgte ihn so sehr, daß er dem Jnguisitionsgerichte in die Hände fiel, diesem aber mußte ihn aus Beseht des Papstes, der sich seiner annahm, wieder freilassen. In Rom kam er wieder mit Reubeni zusammen. Beide Schwärmer faßten den Entschluß sich nach Regensbure;, wo damals gerade der Reichstag versammelt war, zu verfügen und sich dem Kaiser Carl vorznstellen. Sie erhielten auch tatsächlich beim Kaiser Audienz. Einer nicht ganz verbürgten Nachricht zufolge, sollen sie den Versuch gemacht haben, den Kaiser zur Annahme des Judentums anzuregen. Die Folge dieser Audienz war, daß sie beide in Fesseln geschlagen wurden. Molcho ließ der Kaiser nach Mantua bringen, wo er -123-2 von einem Glaubensgericht zum Feuertode verurteilt wurde, während Reubeni nach Spanien gebracht wurde, wo er im Kerker starb. Über die Todesart Molcho's berichtet der Geschichtsschreiber R. Josef Hakohen in seinem „Emek Habacha" Folgendes: „An einem der folgenden Tage legte man einen Zaum um seine Kinnbacken, damit er nicht sollte sprechen können, und führte Salomo hinaus auf den Richtplav. Als die ganze Stadt seinetwegen in Aufruhr war und Feuer vor ihm brannte, sprach einer von den Fürsten des Kaisers; Nehmet ihm den Zaum von den Zähnen, denn ich habe ihm etwas von dem Kaiser mitzuteilen und nachdem sie also getan, sprach er \\\ ihm: Der Kaiser sendet mich zu dir Fürst Molcho, um dir zu sagen, daß, wenn du von diesem deinem Wege abgehst, dir vergeben werden soll, er dich am Leben erhalten null, und du in seiner Nähe leben sollst, wo aber nicht so ist das Urteil über dich beschlossen. Indeß erhob er sich weder, noch bewegte er sich vor ihm, sondern antwortete wie ein Heiliger, gleich einem Engel Gottes: Nur wegen der Zeit, während welcher ich diesem christlichen Bekenntnisse zugehört habe, ist men; Herz bekümmert, nunmehr aler tuet wie es Euch gefällt und meine Seele möge zurückkehreu in ihres Vaters Haus. Da wurden sie von Zorn gegen ihn erfüllt und warfen ihn aus den Holzstoß." ,Emek Habacha » AAonatsfcbau. Von den „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" ist Nr. 63 erschienen. An der Spitze steht die Aufiordernng zum zehnten ordentlichen Gemeindetag am 12. und 13. Juni in Frankfurt a. M. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Formation und Bericht, 2. Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden, 2. Religionsunterricht und die damit zusammenhängenden Fragen, 4. Bezirksrabbinate, 5 Wanderbettelei und Arbeitsstätten, 6. Fürsorge für geistesschwache Kinder, 7. Satzungsänderungen, 8. Zusammenschluß jüdischer Handwerkervereine, 9. Propaganda, 10. Religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene, 11. Wahlen. Das Heft enthält außerdem einen Nekrolog auf Markus Adler, die Satzungen der Siegfried und Emma Brünn-Stiftung mit