Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Tag herangenaht war, eilten sie, wie am Versöhnungstage in die Synagoge um dort den Posaunenschall der Erlösung zu vernehmen. Aber wer nicht kam, war der sehnsuchtsvoll erwartete Messias. Was ans den Propheten von Avila und Ayllon geworden, wird weiter nicht berichtet, sie sind ebenso wie Abnlasia verschollen. V. David Reubeni und Salomo Molcho. ' David Reubeni und sein Gesinnungsgenosse Salomo Molcho haben in der zweiten Hälfte des 1*>. Jahrhunderts eine tiefe Bewegung innerhalb der Judenheit hervorgerufen und heillosen Schaden angerichtet. Ter Abenteurer David Reubeni, der sich einige Zeit in Arabien und Nubien aufgehalten, trat plötzlich in Europa ans und gab vor, daß. er Bruder des Königs sei, der den in Arabien lebenden israelitischen Stamm Renben beherrsche, daher er sich Reubeni nannte. Sein ganzes Wesen war auch darnach angetan, ihn für eine höchst eigentümliche mysteriöse Persönlichkeit zu halten. Seine Hautfarbe war schwarz und seine Statur sehr klein, fast zwerghaft und äußerst mager. Nichtsdestoweniger war er kühn, mutig und unerschrocken, und rühmte sich, daß sich ihm schon öfters die Gelegenheit dargeboten, von seinem Heldenmute entsprechende Prrben und Belege zu liefern, z. B. hatte er entlud in einer Schlacht 40 Mann, erschlagen. Bon Palästina, wo man für' seine Märchen und Phantastereien kein geneigtes Ohr hatte, reiste er über Alexandrien nach Venedig und Rom. Papst Clemens VII., dem er von portugiesischen Capitainen empfohlen wurde, nahm ihn sehr freundlich auf und überhäufte ihn mit Ehrenbezeugungen, wodurch es ihm gelang, auch seinen Glaubensgenossen, die sich anfangs reserviert hielten, weil sie seinen Angaben keinen Glauben schenkten, zu imponieren. Sie glaubten nunmehr in ihm den Erlöser erblicken zu müssen. Von Rom ging Reubeni nach Portugal, wo er vom Könige Inan Ul. sehr freundlich empfangen wurde, weil er vorgab, daß die Juden ihm, dem König, seinen Beistand leisten werden, damit er Palästina vom Sultan Soliman erolern könne. Tie portugiesischen Juden .verehrten Reubeni'über alle Maßen, da sie ihn für den sehnsuchtsvoll erwarteten Messias hielten. In Lissabon wurde durch Reubeni s Erscheinen, der schon als Christ geborene, von der Natur mit körperlicher Schönheit und geistigen Fähigkeiten reich ausgestattete Jüngling Salomo Molcho j.Diego Pires» so sehr ergriffen, daß er, obwohl er als Neuchrist ein einträgliches und ansehnliches Staatsamt bekleidete, heimlich zum Judentum zurückkehrte. Er führte gleich Reubeni eine streng ascetische Lebensweise und widmete den größten Teil seiner Zeit und K^aft dem Studium der Kabbala. Durch das viele Fasten, wie überhaupt durch die manigfachen Kasteiungen, die er sich auferlegte, wurde sein Körper so schwach, daß er, der überhaupt eine lebhafte Phantasie hatte, von Visionen und furchtbaren Träumen stets behelligt wurde. Er verließ Portugal und ging, nach der Türkei. In Adrionopel lernte er den berühmten R. Josef Karo kennen, den er für das Studium der Kabbala einnahm. Er verweilte eine zeillang in Palästina, namentlich in dem zumeist von Kabbalisten bewohnten Zafet, wo er allsabbatlich Vorträge hielt, die. dort allgemein bewundert wurden. Später ging er nach