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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-03-01 · Heft 3 (1.3.1905) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 3 (1.3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
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T T — 61 — sonnene Männer in den sizilianischen Gemeinden, die sich nicht so! leicht entschließen konnten, dem Rufe des Schwärmers Folge 311 leisten. Sie wendeten sich daher schriftlich an den berühmten Gelehrten Rabbi Salomo b. Adereth in Batzelona «vgl. Resp. Salomo b. Adereth 9h*. 548) und ersuchten ihn, er möge ihnen Auskunft und Rat über Abulafia erteilen. Ben Adereth. dem das törichte Treiben des als Messias sich angekündigten Abulafia nicht unbekannt war, schrieb an die Gemeinde von Palermo, wie an den dortigen Rabbiner Achitub, sie mögen dem falschen Messias ja kein Gehör geben, denn er sei ein Halbwisser und ein sehr gefährlicher Mensch. Dieses Verdammungs nrteil brachte Abulafia in Harnisch, und er richtete sofort an seinien Schüler Jehuda Salomon in Barzelona ein Schreiben, in welchem er seine prophetische Kabbala rechtfertigte und die Behauptungen des Ben Adereth entschieden zurückwies. Dies aber hatte ihm wenig genützt. Auch andere Gemeinden und Rabbiner, die nicht mit Unrecht der Befürchtung Raum geben zu müssen glaubten, daß das Treiben dieses Schwärmers traurige Folgen für die Juden haben könnte, haben sich mit Unwillen von ihm abgewendet, ja ihn sogar verfolgt. Infolge dessen sah er sich genötigt, die Insel zu verlassen. Er begab sich nach Eommo bei Malta (1288) und setzte dort seine von sogenanntem prophetischen Geiste erfüllte Schriftstetterei fort. In diesen Schriften beklagte er sich bitter über den Unglauben der Inden, die in ihrer Verstocktheit ihm den gottbegnadeten Propheten, kein Gehör schenken wollen. In seinem an Wahnsinn grenzenden Fanatismus klagte er: „Während die Christen an seine Worte glauben, sind die Juden ungläubig, wollen von der Berechnung des Gottesnamens nichts wissen: sondern ziehen die Berechnung der Gelder vor." Die weiteren Geschicke dieses Abrahams sind nicht bekannt. Ungefähr zweiundzwanzig Schriften soll er verfaßt haben. Später traten zwei seiner Schüler auf: Josef Gikatilla und Samuel aus Medina Oeli, gerierten sich als Propheten und Wundertäter. Tann trat noch ein dritter „Prophet" in Avila auf. Alle drei prophezeiten, daß der Messias in Bälde erscheinen werde. Von dem Propheten ans Avila hatte man sich erzählt, daß er von Jugend auf total unwissend war, sodaß er weder lesen noch schreiben konnte; allein infolge höherer Eingebung ist er plötzlich, über Rächt, ein so großer Gelehrter geworden, daß er die Fähigkeit besaß, eine mystische Schrift „Wunder der Weisheit" abzufassen. Wieder wandten sich die Gemeindevertreter an R. Salomo b. Adereth um Aufklärung und Rat. da sie von der großen Gelehrsamkeit, in deren Besitz der Prophet von Avila plötzlich gelangt sei, ganz verblüfft waren und sich dieses Rätsel nicht lösen konnten. Ben Adereth antwortete: Er würde gewiß keinen Augenblick Anstand genommen haben, auch diesen „Propheten" als einen Betrüger zu brandmarken, wenn er ihm nicht von respektabler und glaubwürdiger Seite im schönsten Lichte geschildert worden wäre, allein als Prophet kann er auch ihn durchaus nicht anerkennen. Ein Idiot kann über Rächt kein Prophet werden, der prophetische Geist ruht überhaupt nicht auf Unwissenden, u. s. w., daher sie vorsichtig sein und sich nicht leichtfertig betören lassen mögen. Trotz dieser Warnung setzte der Prophet von Avila seine Tätigkeit fort und hatte sogar den Mut zu behaupten, daß am letzten Tage des vierten Monates «Tarnus» 1295 die Erlösung stattfinden werde. Die Betörten, die fest und unerschütterlich an ihn glaubten, bereiteten sich durch Fasten und Almosenspenden auf den Tag der Erlösung vor. Als der bestimmte

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