Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mystik. Lein ®nter Samuel Abulafia hatte ihy in Bibel und Talmud unterrichtet, vertraut gemacht hat, zu der er sich Jüngling hatte er den Bater verwahrend ein anderer Lehrer ihn mit der Kabbala besonders hingezogen fühlte. Als achtzehnjähriger loren und bald darauf, nämlich zwei Jahre später, unternahm er eine Reise an den sagenhaften Fluß Sambation um die an dessen , Ufern angeblich vorhandenen „zehn Stämme" aufzusuchen. Zunächst reiste er nach Palästina, verheiratete sich aber vorher in Griechenland. Bald darauf aber verließ er-seine junge Frau und kam nach Akko. Da aber um jene Zeit die Mongolen Syrien und Palästina verwüsteten, sah er sich genötigt seinen Plan weiter' bis zum Sambationflnß vorzudringen, aufzugeben. Er kehrte daher um, suchte seine Frau wieder auf und reiste mit ihr nach Italien, wo er sich dann mit der Religionsphilosophie des berühmten Maiinonides eifrigst beschäftigte, so daß er bald imstande war, darüber Vorträge zu halten. Rach mehreren Jahren kehrte er nach Spanien zurück. Dort interessierte er sich wieder für daS Studium der Kabbala, und begann mit dem rätselhaften „Buche der Schöpfung" Sefer Jezira. Aber er war von der Maimonidischeu Religionsphilosophie sehr durchdrungen, daß er eine eigene Schrift gegen die Kabbala unter dem Titel „Imre Sehefer" verfaßte. In dieser Schrift kritisierte er schonungslos die Haltlosigkeit dieser mystischen Theorie. Seine Seele rang nach etwas Höherem, nach prophetischer Offenbarung. Es dauerte aber gar nicht lange, und er erklärte, daß er durch Inspiration in den Besitz einer hob er eu Kabbala gelangt und daher vom prophetischen Geiste ganz durchdrungen sei. Diese höhere Kabbala bestand 'in der Knust, die Wörter der heiligen Schrift, besonders die des atterheiligsten Gottesnamens zu zerlegen, zu verbinden, oder umzusetzen, oder deren Zahlenwert zu berechnen. Durch diese Kunst, meinte er, sei er auf den rechten Weg Klängt, um der prophetischen Offenbarung gewürdigt zu werden. Überdies wurde er von den unausgesetzten aseetischen Übungen 'in gewisse Verzückungen versetzt, sodaß er behauptete, in diesem Zustande stets höhere Inspirationen zu erhalten. Mit einem Worte, er hielt sich für einen Propheten, In Spanien aber war man von seinen prophetischen Schwärmereien nicht sehr entzückt, er verließ darum zum zweitenmale die Heimat l^nd verfügte sich nach Italien, wo er mehr Anerkennung zu finden glaubte. In Urbino (127J>i verfaßte er mehrere prophetische Schriften, in welchen er vorgab, Gott habe mit ihm gesprochen. In diesen Schriften nannte er sich „Rasiel", weil der Zahlenwert seines Namens Abraham <748, mst dem des „Rasiel" gleich ist. In seiner Schwärmerei ging er so weit, daß er 1281 den kühnen, ja wahnsinnigen, Versuch machte den damaligen Papst Martin, iv zum Judentum zu bekehren. Es hat aber nicht viel gefehlt und dieser wahnwitzig^ Versuch hätte ihm das Leben gekostet. Er wurde nämlich in den Kerker geworfen, lvo er achtundzwanzig Tage schmachtete. Rur dadurch gelang es ihm dem Tode zu entgehen, daß, wie er sich ausdrückte, Gott ihm einen Doppelmnnd hat wachsen lassen. «Orient 184öj Von Rom ging er nach Messina, wo er eine sehr günstige Aufnahme gefunden. Hier erklärte er sich endlich offen, daß er nicht blos ein Prophet, sondern der sehnlichst erwartete „Messias" sei, was er auch in einer 1284 veröffentlichten . Schrift zu beweisen sich bemühte. Seiner Behauptung zufolge sollte die Erlösung im Jahre 12M> stattfinden. In Sizilien haben viele seiner Anhänger sich schon aus die Reise nach Palästina vorbereitet. Es gab aber auch be-