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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-03-01 · Heft 3 (1.3.1905) · p. Seite 65

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 3 (1.3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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— fto — er gefragt wurde, was er eigentlich zu erzielen beabsichtige, antwortete er mutig: „Ich bin der König der Juden!" Infolge dessen lieg der Sultan ihn einkerkern. In dem Moment aber als der König mit seinen Räten beriet, welche Strafe er über den jüdischen Revolutionär verhängen soll, sei Alroy plötzlich in der Ratsversammlung erschienen und habe zum Erstaunen aller Anwesenden die Erklärung abgegeben: „Vermöge meiner Geheimkünste ist es mir gelungen, niich aus denl Kerker zu befreien! Ich fürchte weder den Sultan, noch seine Diener." Als der Sultan nochmals den Auftrag erteilte, ihu zu ergreifen und in den Kerker zu werfen, soll der Schwindler sich unsichtbar gemacht und einen Fluh auf diese Weise überschritten haben, sodah er nicht ergriffen werden konnte. Er sott an einem Tage die Strecke von zehn Tagereisen, nämlich von der Residenz des Sultans bis Amadia zurückgelegt haben. Als die Juden den bereits verloren-Geglaubten wieder erscheinen gesehen und von seiner „wunderbaren" Errettung aus der Gewalt des Sultans vernommen hatten, da glaubten sie fest undunerschütterlich an seine Messianitat, wodurch natürlich die Machthaber in Schrecken gerieten. Ter Sultan hat dem Chalisen den Auftrag erteilt, den Vertretern der Juden in Bagdad zu bedeuten, daß sie alle Hebel in Bewegung setzen sotten, um Alroy von seinem Vorhaben äbzubringen, widrigenfalls er alle Juden seines Reiches über die Klinge springen lassen wiirde. Dieser Befehl kam rechtzeitig, denn die Schwärmerei für den falschen Messias hatte in Bagdad solche Dimensionen angenommen, daß sie zwei Betrügern Gelegenheit geboten, die in sinsterer Nacht der Unwissenheit schniachtende Volksmenge auszubeuten und sie an den Bettelstab zu bringen. Sie gaben vor. Briefe von Alroy erhalten zu haben, in welchen er die Erlösung aus eine zu bezeichnende Nacht festgesetzt hatte. Den verblödeten Schwärmern redeten die zwei elenden Betrüger ein, daß sie alle in jener Nacht einen Flug von Bagdad nach Jerusalem antreten werden, sie müßten aber zu diesem Zwecke aus die Dächer steigen, grüne Gewänder anziehen und die Stunde der Erlösung erwarten. Die Betörten schenkten den Schwindlern Glauben und übergaben ihnen ihre ganze Habe zur würdigen Verteilung unter die Armen. Die von den Betrügern bezeichnte Nacht nahete heran, die Verführten waren alle auf den Dächern versammelt und erwarteten sehnsuchtsvoll die Stunde der Befreiung. Frauen weinten, Kinder jammerten, Alle bewegten sich ungeberdig, um das Fliegen zu versuchen, Alles vergebens. Ter Anbruch des Tages hatte ihnen endlich die Augen geöffnet, und sie sahen eilt, daß sie das Opfer elender Schurken'waren, die niittlerweile mit den geraubten Gegenständen durchgebrannt sind. In Bagdad nannte man diese Zeit spottweise „das Jahr des Fliegens." Infolge dieses verübten Schwindels ist die hochgradige „messianische Schwärmerei" in Bagdad ein wenig abgekühlt worden." Soweit die Sage. Tatsache jedoch ist, daß Alroy, wie bereits oben erlväbnt, durch seinen eigenen Schlviegervater aus dem Wege geräumt wurde. IV. Äbrahanr b. 5amuel Ubulafia. Im Jahre 1240 hatte Abraham b. Zamuel Abulafia in Zargossa das Licht der Welt erblickt. Er war ein höchst überspannter Kopf und schwärmte nur für höhere

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