Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 eigenen, scharfsinnigen Weise auf folgende wissenschaftliche Formel brachte: „Er hat Dir gesagt, o Mensch, was gut ist." Dieser Ausspruch bildet die Devise des Prophetismus. Gott ist es, der verkündet . . . . , und was verkündet er dem Menschen? Was gut ist. So macht der Prophetismus das Gute zum Inhalt der Religion. Nichts andres soll fernerhin der Vorwurf und bö* Interesse der Religion sein, als das Sittliche. Nichts anderes also, als der Mensch: vielmehr die Menschen, wie sie der eine Gott in die eine Menschheit vereinigt .... Nicht der Mensch fordert für seine subjektive Stützung Gott, sondern zur objektiven Begründung der Sittlichkeit wird Gott gefordert. Sein Begriff und sein Dasein bedeutest nichts anderes, als daß cs kein Wahn sei, die Einheit der Menschen zu denken, zu glauben, zu erkennen. *) Nein, die Wissenschaft des Judentums duldet nicht nur, sie fordert die allgemeine Wissenschaft als Voraussetzung. Wenn es noch eines Beweises hierfür bedürfte, so tritt er uns verkörpert in dem hier eben zitierten gefeierten Denker entgegen. Denn seine, für sein Judentum treu überzeugten Theorien vertritt derselbe nicht nur mit allem Freimut vor dem Forum der europäischen Bildung, nein, auch vor dem der Wissenschaft des Judentums. „Wahrlich, nicht allein hie Poesie des geschichtlichen Judentums, sondern geradezu der geschichtliche Geist des Judentums dürfen uns von dem ewigen Leitgedanken unserer Religion, von der weltgeschichtlichen Tendenz unserer Propheten nicht ablenken und nicht abwendig machen. Sie haben den Patrikularismus, als er noch eine politische Macht war, überwunhen, unb den U ni v ers a l i s m u s des Judentums und dadurch der Weltreligion überhaupt, geschaffen. Die messianische Idee ist durch sie der innerste Kern der jüdischen Gottesidee geworden, und auf dem m e s s i - anischen Gotte beruht die Ewigkeit Ides Judentums.**) Mit dieser knappen Auswahl populär-wifilenschaftlicher Beiträge zum Verständnis der hartnäckigen Treue unsrer Gesamtheit für shre Ideale, sind dieselben noch lange nicht erschöpft, sondern für diese Stelle abgeschlossen. Aus solchem Stoffe müßte der Leitfaden an die Hand geben sollte. An demselben sollte gewoben sein, den man unserer Jugend sie sich zurecht finden und erkennen, daß „das Volk steifen Nackens" nicht der Verstockung und Verstocktheit des Herzens huldigt, sondern darauf sein Heil gründet, daß es weder dem Joch des Leides noch der Lüge willig sich beugt. Jede verräterische Zumutung müßte sie dann auch als das erkennen, was sie in der Tat bleibt und ist: Eine gesellschaftliche, soziale Freibeuterei, ein Attentat auf den Charakter des Menschen. Wissen, Aufklärung, Geist, Licht, für deren Verbreitung diese Blätter ebenfalls ersprießlich wirken, das allein ist die sichere Losung des Judentums: Sein Schirm und Sckutz ist und bleibt seine Wahrheit! — *» H ermann C o h e n : „Ethik des reineü Willens". Berlin 1904, 3. 52. H erma n n Cohen: „Das Problem der jüdischen 3itten!ehre" in der „Monats schrift für die Wissenschaft des Judentums". Breslau 1899, 3. 441