Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 monides, Iebuda Hatevy, Jbn Pakuda, Moses Mendelssohn, das sollte wohl wieder die Unterrichtsmethode unserer Schulen werden. In jenen Spuren müßte er unserer Jugend beigebracht werden, wie sie in dem trefflichen Buche Güdemanns vorgezeichnet werden, auf dessen hervorragende Eignung für diesen Zweck zurückzukommen, wir uns gestatten werden, und welches in folgenden lapidaren Worten gipfelt: „Es ist im innersten Wesen des Judentums begründet, daß es sich nicht für alleinseligmachend hält. Für das Judentum ist das Entscheidende und das die Menschen Einigende die Heiligung Gottes durch die Heiligung des Lebens. Wem immer diese gelingt, der ist wahrhaft fromm und des höchsten Lohnes wert. Das Judentum anerkennt, . . daß es auch außerhalb seiner solche Fromme gibt, und es gesteht ihnen die ewige Seligkeit zu. Einen höheren Preis hat es selbst für seine Bekenner nicht zu vergeben. Ein Himmelreich, in das nur Juden Einlaß finden, oder in welches der Eintritt nur auf ein jüdisches Symbojlum gewährt wird, kennt das Judentum nicht."*» Dieses Buch, es hat überhaupt seine Geschichte. Und wir erachten sie, mit deren Mitteilung wir wohl keine Indiskretion begehen, als überaus bezeichnend für das alte Wort: habent Kua lala libaili. Einet der -hervorragenden Wiener Glaubensgenossen beklagte sich s. Z. gegenüber unserejn gelehr^ep Autor, daß er kein passendes Buch finde, welches geeignet wäre, seinen intelligenten Sohn über das Judentum und seine Wahrheiten zu orientieren. Der Entschluß war bald gefaßt. Und diesem Entschluß dankt eitles der besten Bücher über dhs Judentum sein Entstehen. Es gehört zu jeneu litterarischen Erzeugnissen, die selbst cjinc Tat sind, denen bleibendes Sein bestimmt ist, eben weil sie der Augenblick geboren u^d sie dem Bedürfnisse der Zeit entsprungen. Ihm ist Dauer gesichert, wie dem Gegenstand, dem es gewidmet ist. Ob es bei demjenigen, für den es ursprünglich bestimmt war, seinen Zweck erreicht, entzieht sich unserer Kenntnis, aber das eine steht festwer durch dasselbe für sein Judentum nicht überzeugt wird, der ist überhaupt nicht zu überzeugen. Gleichsam als Facit seiner Betrachtungen über dasselbe darf der folgende Schluß desselben betrachtet werden: „Das Judentum harrt auf seinem Wege aus! Welche Veranlassung hätte es, ihn zu verlassen! Aus seiner alten, schon in Ägypten entrollten Fahne, glänzen Heilswahrheiten, die nie von größeren, beseligenderen überboten worden sind, noch jemals überboten werden können, die Wahrheiten von dem einig-einzigen Gott, der die Menschen in seinem Ebenbilde erschaffen und' ihr liebender Vater ist, von der Aufgabe des Menschen, diesen Gott durch ein sittenreines Leben zu heiligen, von der durch die Erfüllung dieser Aufgabe herbeizuführenden Versöhnung der Menschen in einem Friedensbunde, in dem Gott einzig und sein Name einzig sein wird. Diese Wahrheiten des Judentums sind das Einigende seiner Bekenner." So weit gleichsam der populäre Commentar für das sprichwörtliche Volk steifen Nackens, und zwar aus der Feder des Rabbiners. Und so ist es denn für den prophetischen Monotheismus keunzeichnend, daß er auch heute so wie immer seine wissenschaftliche Vertretung findet. Unter vielen andren ist dies der gefeierte Denker Professor Hermann Cohen in Marburg, der denselben erst letzthin in seiner ihm *> W ii bemann: Das Judentum in seinen Grundzügen. 3. 104.