Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 das vermag doch fein Einsichtiger zu bestreiten, dem Monotheismus. Das sind wohl lebendige Commentare für die Ueberzeugungstrene, die das „Volk steifen Nackens" hegt. — Und so kann das Judentum ans dem Bewußtsein Drost schöpfen, daß es wohl unsichtbare, aber unzerreißbare Fäden sind, die es mit dem Reiche des Gedankens unlösbar verknüpfen. In seinem Lager, da weilt der Geist! * * * In diesen) Bewußtsein hatte das Judentum schon vor mehr denn drei Jahrhunderten recht ansehnliche Gesinnungsgenossen. Keine Geringeren, als die nichtigen Puritaner Englands unter Führung ihres Lord-Protektor Oliver C r o m well, auf der einen und der weitverbreiteten Unitarier unter Leitung ihrer Geistlichen und adeligen Stifter auf der anderen Seite, eines Georg Paul, T h e o d o si n s K o s o y, S i m o n B u d n y, Martin Seidl u. a. m. *) Freilich sind es Iiintmeüyette Unterschiede zwischen diesen und dem prophetischen Monotheismus des Judentums. Aber liegt nicht in allen diesen Richtungen, wie schon ihr Name besagt, das Bestreben, der einheitlichen Tendenz desselben bewußt oder unbewußt, nahe zu kommen'? Wer in die geschichtlichen Berichte dieser mächtigen Bewegungen sich vertieft, dem scheint es unwillkürlich, als ob damals die Rollen der Weltgeschichte gewechselt, und diese Männer dem Judeutnm auf eine Zeit lang seine Aufgabe des Monotheismus entlehnt hätten, um den Kampf aufzunehmen gegen Wahn, Aberglaube und Obfcurantismns, dessen mysteriöses Dunkel sp viel damals zur Entzweiung der Gemüter beigetragen hatte. Nein, dieser Kampf ist auch heute noch nicht gegenstandslos gervorden. Der Monotheismus ist nicht ein Krieg, sondern, ein Kampf der Geister. Kein materieller Wert, für den man sozusagen, sich etwas kaufen könnte, nein, eine metaphysische Wahrheit, mit der allein man alles schon besitzt. Bei seinem Namen empfinden wir nicht das Rollen des Kriegsdonners, sondern das sanfte Säuseln des Geistes, der die Herzen bezaubert, der aber dennoch allen Schlachtenruf übertönt, weil nach ihm erst recht das Bedürfnis nach dem Gottesfrieden erwacht. Um biblisch zu sprechen: Der Monotheismus ist die Sprache, durch welche Gott im Sturme der Ereignis s e m i t d e m M e n s ch e n spricht. Er lehrt nicht, wie man andere besiegt, sondern sich selbst, die menschliche Schwäche oder besser die unmenschliche Stärke bezwingt. Wohl könnte man die Fabel von dem Fuchs und den saueren Trauben entgegenhalten aber lvenn es darauf ankam, da ließ sich auch das Judentum ans dem Felde der Ehre nicht spotten. Auch in seiner Mitte gab es glänzende Proben des Arndt'schen Wortes: Der Gotr, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte. . . . Der Name Makkabäer besagt alles. * * * Monotheismus bildet die Brücke zu jenem Lande der Sehnsucht, von dem die Besten träumen. Es ist wohl am schwersten zu erreichen, weil es keinen Leitfaden gibt, der zu ihm hinführt. Aber einmal, erreicht, bildet es die sicherste Stütze auf Erden. Den Monotheismus so zu lehren, im Sinne unserer Vorfahren, eines Mai- *) Bgl. Grätz, Gesch. d. Inden, 0, 454 und 10, 52 f.