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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-03-01 · Heft 3 (1.3.1905) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 3 (1.3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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— 53 Ebenso das seelische Moment.!Das Wehe aller Menschen, das Leid ihrer Mütter, ob der Ihrigen Qual, es ist kein anderes, als das der unsrigen. Dieselbe Fiber ihres Herzens, ^ie in demselben schmerzlich zuckt, wenn Mißgeschick sie heimsucht, sie ist es, die auch uüser Inneres in solchen Stunden namenlos ergreift. Ja noch inehr, die neue Religion an und für sich, sie findet nach unserer religiösen Anschauung ihre berechtigte Stelle im ^Plane der Allmacht. Kein geringerer als I e h u d a H a l e v n < Knsari 4, 23 > sprach das Wort: Alle diese Völker des Christentums und des Islams sie s i n d Po rl ä u fer des e in stiegen M ess ia s re i ch e s, auf das wir hoffen. Und darum sagen wir wiederum, eben daher, nicht trotzdem, entsteht unser io tiefes Wehe bei einem Treubruch gegen unsere Ueberzeugung. Die psychologische Analnse dieses Schmerzes, sie reicht weit zurück in die Heldengeschichte unseres Stammes. Für den Monotheismus lebten und litten unsere Ahnen. Monotheismus bedeutete ihnen aber nicht nur die Einheit und Einzigkeit Gottes, sondern auch die Einheit des unveräußerlichen Menschenrechtes, snir sie erduldeten sie tausendfachen Tod, sicher hoffend, daß ein späteres glaubenstarkes Geschlecht ihnen entblühen werde. Bei einenr Abfalle eines der unseren nun ist cs, als ob ein Wetterstrahl alle Früchte ihres Schweißes zerschmetterte. Der Monotheismus ist eine teure Saat, gedüngt mit den Tränen unserer Väter, denn Monotheismus ist nichts anderes, als reinster Humanismus.*, Nicht als ob, wie man spöttelnd sagt, die ganze Menschheit, dereinst zur Anschauungsweise des armen, gedrückten, polnischen Juden sich bekehren würde. Rein, daß sie um das Wahrzeichen der Allmacht als üm das Panier edler Menschlichkeit einmütig sich scharen werde, wodurch auch jedem geholfen wird, der für sie heute leidet und duldet, das ist unsere Ansicht vom Monotheismus. — Wenn das Hartnäckigkeit ist, dann befinden wir uns in guter Gesellschaft, dann teilen wir unsere Gesinnung mit keinem Geringeren als mit dem deutschen Dichterfürsten Göthe. — In „Eckermann's Gespräche mit Göthe" (1827) ist uns gar mancher hiefür bezeichnende Ausspruch aufbewahrt, worauf näher einzugehen, hier nicht der Ort ist, nur der gesch. Leser aufmerksam gemacht sei. Das Judentum, dieses Volk unverbesserlicher Optimisten, es hofft nicht! nur geduldet, sondern auch geduldig auf eine Zeit — und wahrlich Geistesheroen ihie K ant, L es sing, Nietzsche und Lotze, sie haben diese Hoffnung nicht beschämt — wo der Monotheismus dem Menschengeschlechte so klar, so hell einleuchten cherde, daß es ob der armseligen Versuche erstaunen wird, durch welche einstmals die Gottheit vermenschlicht und der Staub vergöttert wurde. Das wird auch die Zeit sejn, lvo auf der ganzen Linie der wahre Monotheismus, nicht etwa zum Siege, deyn er führt keine Kriege, nein, zur Anerkennung gelangt sein wird. Wenn das Hartnäckigkeit ist, dann weiß das Judentum sich in recht vornehmer Gesellschaft. Die ganze große Geistesschar der Rationalisten, von Descartes angefangen, der Mystiker von Eckhardt, der Skeptiker von H u m e, der Kritiker von Kant, bis auf den jüngsten Professor! der Philosophie, oder den Forscher, der in seiner stillen Klause den Geheimnissen des Ilnerforschlichen nachsinnt, sie huldigen gleich ihm, *) Bgl. d. Verfass. „Monotheismus — ein Weltprinzip", Brünn, Epstein, 1904, 8. 13. i

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