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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-02-01 · Heft 2 (1.2.1905) · p. Seite 48

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 2 (1.2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 48 (sequence 22)
Language
German
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des nunmehr in sein drittes Jahrhundert schreitenden Vereins. — Ein aus hervorragenden Rabbinern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns bestehendes Komitee richtet einen Aufruf an die jüdischen Kreise behufs Beteiligung an einer Anfangs März 1S65 stattfindenden Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande und Aegypten. Es sollen alle jene Orte aufgesucht werden, welche mit der biblischen Geschichte und btr^ Geschichte der Juden eng verknüpft ist. Als Ausgangspunkt respektive als Sammelpunkt der Teilnehmer ist Budapest ausersehen. — In Memel hielt in dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" Herr Rabbiner Ur Beermann aus Insterburg einen Vortrag über das Thema: „Die Herodierzeit im Spiegel moderner Dichtung." — Mit dem jüngst erfolgten Tode des Neffen Heinrich Heines, des Barons Ludwig Embden, ist eine d.er interessanteste^ kiinstlerischen Erinnerungen Hamburgs dahingegangen. Die Wohnung in der Esplanda, wo der greise Herr jahrelang mit seiner Mutter, der vor einigen Jahren verstorbenen Schwester Heines zusammenlebte, war im Herzen der Stadt ein kleines Erinnerungsplätzchen künstlerischer Vergangenheit. Die beiden Herrschaften besuchen, war gleichbedeutend mit einem pietätvollen Blättern in deutscher Literaturgeschichte, bedeutete Stunden der Andacht, von denen selbst eine Kaiserin einst erzählen konnte — die unglückliche Elisabeth von Oesterreich. Der Baron von Embden, der Heines Nachlaß so pietätvoll und künstlerisch verwaltete, war ein getreuer Mentor für alles, was die Besucher aus Heines Leben interessieren konnte und Heines Schwester half dem Sobne treu mit, tränenden Auges oft ergänzend oder berichtigend, wenn ihn das Gedächtnis verließ. Um der einsamen Schwester willen hat Baron Ludwig nie geheiratet. Sein Leben gehörte ihr, der Erinnerung und der Verwaltung des dichterischen Nachlasses Heines, die in seinem 1892 erschienenen Buch: „Heinrich Heines Familienleben" den schönsten Ausdruck fand. — Am 27. Jänner feierte Herr Rabbiner Moses Bloch, Vorsitzender des Professorenkollegiums der Landesrabbinerschule in Budapest, den 90. Geburtstag in voller Geistes- und Körperfrische, den Lehrberuf nach wie vor mit dem größten Pflichteifer erfüllend. — In Wien starb der vormalige verdiente Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Kommerzialrat Heinrich Klinger am 12. Januar im 73. Lebensjahre. — In Rom starb der Großrabbiner Angelo Fornari im 78. und in Krakau Herr Rabbiner Ch. L. Horowitz im 53. Lebensjahr. In London starb am 16. Januar der Philantrop Frederic David Mocatta im 77. Lebensjahr und in Hannover am 29. Januar infolge eines Unfalls Herr Consul Alexander Moritz Simon. Die Gründung der weithin bekannten Erziehungsanstalt in Ahlem war sein Werk und die Juden dem Handwerk und der Bodenkultur zuzuführen, das eifrigste Bestrebell des unvergeßlichen Philantropen. — Von der „Jüdischen Gesellschaft" in L o n d o n angestellte Erhebungen haben mit ziemlicher Sicherheit ergeben, daß sich die jüdische Bevölkerung Großbritanniens auf 184 P00 beziffert, von denen 128000 in London, die restlichen 56 000 in anderen englischen Großstädten leben. Bemerkenswert niedrig ist die jüdische Todesrate im Vergleich zu der eingeborenen Bevölkerung, denn sie stellte sich im verflossenen Jahre in Manchester auf 55,88 geaen 72,50 im Tausend. In anderen Städten beträgt sie durchschnittlich 16,99 gegen 21,78. Der Bericht hebt noch den großen Kinderreichtum der in England angesiedelten jüdischen Familien hervor.

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