Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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47 „Laß mich in Deiner Umarmung ersterben, Rieke," Hub er an, „ich habe mit frevlerischer Hand nach Dir gelangt, ein lichtes Sternenbild vom Himmel herabgezerrt, in den Staub, in dem wir waten; laß mich in diesem Rausche untergehen, Rieke, der mich so selig macht . . . Gott ist zwischen uns getreten, seine segnende Hand berührt unsere Scheitel und heiligt uns." „Ich verstehe Dich, Baruch Spinoza, wie sie alle anderen Dich nicht verstehen, weil sie deiner nicht würdig, — id^ verstehe Dich, weil ich Dich liebe ..." Mit Küssen bedeckte er ihren Mund. „Judendirne" kreischte es plötzlich aus; ein weiter Schatten siel am Eingang der Laube; da stand der finstere Schwerterschmied, sein Geselle, Riekes Bräutigam, neben ihm. „Judendirne," wiederholte, suchte er rasend, und ehe es Jean wehren konnte, stürzte er auf seine Tochter, ihr hm Dolch, den er als Bürger Amsterdams an der Seite trug, in die Brust bohrend. „Was habt Ihr da getan, Einer Kind gemordet?" rief schreckensbleich der harte Geselle, — „Meister Ole, das ist Mord!" Baruch Spinoza der die sterbende Maid in seinen Armen hielt, war stumm vor namenlosem Schmerze. Sprachlos! starrte er auf die Sterbende, nicht einmal eine tröstende Träne im Auge. „Baruch Spinoza-ich -bin dir — gut" stöhnte lächelnd die sterbende Maid, da der grüne Rasen unter 4hr mit dem roten Herzblute sich färbte. Da kam der unglückliche Vater zur Besinnung; in wilder Verzweiflung lief er fort, — zu den Richtern, das Schaffst sich erbittend. Am blauen Firmamente glänzen Myriaden Sterne, im dichten Laub klagt die Nachtigall; — unter freiem Himmtt kniet der wilde Geselle und reicht über die Leiche seiner Btaut seine schwielige, wuchtige Hand dem ausgestoßenen Gelehrten, dem Brillenschleifer Baruch Spinoza hin. Und allabendlich findet der Mond an dieser Stelle diese zwei Männer beisammen; der große Philosoph Baruch Spinoza lehrt Jean Kielrot den rasenden Schmerz vergeffen, der in seiner Tiefe doch Gott selbst . . wie Alles, Alles . . das da lebet und leidet. ./Boaatefftaa. Auf ein zweihundertjähriges Bestehen blickte am 23. November der Jsraetitsche Verein für Krankenpflege und Beerdigung in Königsberg zurück. Am eigentlichen Stiftungstage fand auf dem ältest Friedhofe der Gemeinde (Tragheim) am Grabe des Begründers eine Gedächtnisfeier statt, bei der Herr Rabbiner Dr. Bogelstein die Gedächtnisrede und Herr Oberkantor Birnbaum die liturgische Andacht hielten. In der neuen Synagoge erfolgte eine weitere Feier, zu welcher die Spitzen der Behörden, der städt. Körperschaften, der Kaufmannschaft und die Mitglieder und Gönner des Vereins Einladungen erhielten. Eine von Rabbiner Bogelstein und Oberkantor Birnbaum für diesen Tag hevausgegebene Festschrift enthält eine Fülle interessanter Daten über den Werdegang