Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 unseres eigenen Staates, und sogar zweimal, und warum ist der jüdische Staat untergegangen? Der Prophet Jeremias sagte>es Uns: „Warum ist das Land zu Grunde gegangen? weil sie meine Thora verschmäht haben." Ferner: „Hat je ein heidnisches Volk seine Götter, obwohl sie Ungötter sind, verleugnet, vertauscht, verschachert? Hat je ein heidnisches Volk seine Charakterschwäche dadurch bekundet, daß es seinen Glauben materieller Vorteile wegen, Preis gab? Mein Volk aber hat seine heiligsten Güter, seine kostbaren Schätze leichten Herzens für die törichten Gottheiten des Tages hingegeben." Wie der erste jüdische Staat infolge des Abfalls von der Religion, ebenso ist der zweite Judenstaat infolge innerer Zerklüftung zugrunde gegangen. Nur durch unbegründeten Haß, bemerken mehrere Weiftn, ist Jerusalem zerstört worden. Hab, Mißgunst und Scheelsucht haben Bande gelockert, die Liebe und Freundschaft geknüpft haben. Sie haben also auch der Thora, die jeden Haß und Neid, jede Verfolgung und Bedrückung auf das entschiedenste verpönt und nur Menschenliebe, Menschenverbrüderung, Friede, Eintracht lehrt und predigt, durch ihr menschenfeindliches Benehmen zuwider gehandelt, weshalb der Staat sich nicht länger hatten konnte. „Gott der Herr selbst kennt", bemerken unsere Weisen, „kein wirksameres Organ für Israel als den Frieden, die Eintracht, das Festhatten an der Thora". Soll das Judentum wieder seine „staatliche Selbstständigkeit" sich erringen^ so muß es vor Allem sich organisieren, fest Zusammenhalten, jede Nachahmungssucht unterdrücken und sich gegenseitig znrufen: Kommt laßt uns zurückkehren zum Ewigen, seine Thora Hochhalten und in ihrem Geiste leben, wirken und schaffen. So oft in späteren Jahrhunderten, nach der Zerstörung des zweiten Tempels, Männer auf dem Plane erschienen sind, die Vorgaben dem Volke Israel wieder „seine nationale Selbstnädigkeit" ohne die Thora auch nur im entferntesten zu berücksichtigen, erwerben und das Heid. Land erobern zu können, haben sie, die teils als Betrüger, teils als betrogene Betrüger, als Schwärmer erkannt wurden, schmählich geendet und dem Volke anstatt zu helfen, furchtbare Wunden beigebracht, die lange nicht vernarben wollten. Einige Beispiele mögen hier zur Begründung und Bekräftigung dieser Behauptung angeführt werden. Serene. Während in Babylonien im achten Jahrhundert die Academieen der „Gaonen" sich der schönsten Blüte erfreuten, und der Talmud das ganze jüdische babylonische Gemeinwesen beherrschte, haben die in Palästina, Syrien und Irak angesiedelten arabischen Juden eine antitalmudische Bewegung hervorgerufen. Sie waren, tüte Graetz sehr richtig bemerkt, Söhne der Wüste, Männer des Schwertes, Krieger und Ritter, welche von Hause aus an Freiheit des Lebens und an Kraftentwicklung gewöhnt waren und geselligen Umgang mit ihren ehemaligen arabischen Bundes und Kampfgenossen pflogen, unter denen sie nach der Eroberung Persiens und Syriens wieder angesiedelt waren. Wohl war ihnen das Judentum teuer, hatten sie doch dafür alles, Freiheit, Gut, Vaterland geopfert um Muhamed, der in sie gedrungen, sich zum Islam zu be-