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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-02-01 · Heft 2 (1.2.1905) · p. Seite 41

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 2 (1.2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 41 (sequence 15)
Language
German
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4L man in Jakob und in Israel weiß was Gott gewirkt, geschaffen, gesprochen und gelehrt hat, so lange die Kenntnis der Thora aus Israel nicht schwindet, kann der Fanatismus nicht um sich greifen." Und das ist eben unser Stolz und unser Ruhm. Wir freuen uns und sind stolz darauf, daß die Vorsehung unsere Ahnen schon vor Jahrtausenden erkoren hatte, Träger der erhabenen Gottesidee, des reinen geläuterten Gottesglaulens in der Geschichte zu sein. Wohl war man zu allen Zeiten und auch in der modernen Zeit bemüht, uns dieses Vorrecht streitig zu machen, uns das Prioritätsrecht abzusprechen , allein jeder unbefangen denkende Mensch wird es bereitwilligst zugeben, daß Israel das erste Volk auf Erden war, das berufen wurde den Glauben an einen einjg-einzigen Gott in der Welt zu verbreiten. Alle anderen Religionen sind aus dem. Schoße entwickelter Nationen hervorgegangen, Israels Religion aber ist nicht aus der Nation, sondern die Nation aus der Religion entstanden. Nicht Israel hat sich seinen Gott, sondern Gott hat sich Israel erkoren, ihm seine Thora verliehen, mit dem Aufträge als „Reich von Priestern" die Lehre dieser Thora in der Welt zu verbreiten. Eine „jüdische Nation", oder ein „nationales Judentum" ohne Thora ist nicht denkbar. So heißt es ja ausdrücklich in der hl. Schrift: „Moses und die Priester aus dem Stamme Levi sprachen zu ganz Israel: Am heutigen Tage, da dir diese Thora verliehen wurde, bist du eine Nation geworden dem Ewigen deinem Gotte zu Ehren. (5. M. 27. 9.) Treffend bemerken dazu unsere Weisen. Die Religion Israels, die von Beginn an bestimmt war Gemeingut der Gesamtmenschheit zu werden, ist älter als die Schöpfung. Gleich bei der Schöpfung hat Gott mit Himmel und Erde also gesprochen: Ihr seid von mir nur bedingungsweise geschaffen worden; die Bedingung von der euer Fortbestehen abhängt, ist, daß Israel die Thora annimmt, verweigert es aber die Annahme derselben, will es für die Verbreitung ihres Inhaltes nicht Sorge tragen, so fallet ihr in Trümmer und das Tohuwabohu, das vor euch da war, tritt an eure Stelle." Ohne die Thora würde die sittliche Weltordnung ihre kräftigsten und mächtigsten Säulen, ihre Trag- und Stützpfeiler entbehren und ihrem Verfalle entgegengehen müssen. Ja die Thora ist älter als die Menschheit, sie ist nicht an das Reich, nicht an den Staat, nicht an das Land gebunden, sie wurde für alle Zeit gegeben. „Drei Dinge," bemerken unsere Weisen, „wurden Israel nur bedingungsweise gegeben, Palästina, der heilige Tempel und die davidische Regierung, die Thora aber unbedingt für alle Zeiten." Sie war Anfangs eine Staatsreligion, aber nicht wie die Religionen der Völker, die mit dem Staate ihren Untergang gefunden, sondern sie war eine Religion des Staates im Staate. Als der Staat zu Grunde gegangen, war sie eine Religion des Volkes, und als das Volk in aller Herren Länder zerstreut wurde und sich Gemeinden gebildet haben, war sie die Religion der Gemeinde. Die Thora, die Moses uns gebot, ist ein ewiges Erbgut der Gemeinden Jakobs selbst. Der Umstand, daß Israel seit nahezu zwei Jahrtausenden sich ohne Land, ohne Reich, ohne staatliche Selbständigkeit erhalten hat, beweist doch klar und deutlich, daß die Thora allein es war, die ihm unverwüstliche und unbesiegbare Lebenskraft verliehen hat, um selbst einer Welt in Waffen trotzen zu können. Diejenigen, die da glauben, daß die Religion Nebensache, die „staatliche Selbstständigkeit" aber Hauptsache sei, täuschen sich gewaltig. Wir waren ja schon im Besitze

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