Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— i 31 — schriften und Verordnungen dev mosaischen Gesetzes lauter kein einziges: Du sollst glauben, oder n i ch t glauben, sondern alle heißen: D u sollst tun o d e r nicht tun! Dem Glauben wird nicht hesohlen, denn der nimmt keine andere Befehle an als die den Weg der Überzeugung zst ihm kommen.Nirgends wird gesagt: Glaube Israel, s o w i r!st Tu gesegnet sein, zweifle nicht. Israel! oder diese und jene Strafe wird dich verfolgen. Gebot und Verbot, Belohnung und Bestrafung und nur für Handlungen, für Tun und Lassen, die in des Menschen Willkür stehen . . i.Daher hat auch das alte Judentum keine symbolischen Bücher, keine G l a st b e n s a r t i k e t Niemand durfte Symbole beschwören, niemand ward auf Glaubensartikel beeidigt." Wohl hätten Maimonides und andere Gelehrte Glaubensartikel ausgestellt, yi Glaubensfeffetn seien sie aber nie geschmiedet wvrden. Mit der Glaubens und Gewissensfreiheit bängt es auch zusammen, daß sich das Judentum von B e k e h r u n g s v e r suche n A n d e r s gläubige r ferngehalten hat. Maimonides und Mendelssohn lehren in Übereinstimmung mit dem Talmud: „Tie Frommen aller Nationen haben Anteil an der künftigen Seligkeit" ivgl. Maimonides zur Stelle Sanhedrin 10f>a und Tofefta Sanhedrin 13 >, und Niemand, der nicht dem Judentum angeböre, sei gezwungen, die spezifisch jüdischen Gesetze zu beobachten. Sehr treffend bemerkt Mendelssohn in einem Schreiben an den Verfasser der „Phusiognomischen Fragmente," den Züricher Tiakonus Lcchater: „Wenn unter weilten Zeitgenossen ein Confucius oder Solon lebte, so könnte sch, nach den Grundsätzen meiner Religion, den großen Mann lieben und belvundern, ohne auf den lächerlichen Gedanken zu kommen, einen Confucius oder Solon bekehren Zu wollen. Bekehren'? wozu'? da er nicht zu der Gemeinde Jakob gehört, so verbinden ihn meine Religiongesetzt? nicht und über die Lehren wollten wir uns bald verstehen. Ob ich glaubte, daß er selig werden könnte'? — 0! mich dünkt, wer in diesem Leben die Menschen zur Tugend anführt. kann in jenem nicht verdammt werden." 'Schreiben au Lavater in Zürich a. a. O. S. f.. >1' Tie Gedanken und Glaubensfreiheit wird von Mendelssohn auch in seiner „Einleitung zur Übersetzung der Schrift des Rabbi Menasse beu Israel „Rettung der Juden" betont, wo er ebenso wie in seinem „Jerusalem" geltend macht, daß die Kirche — er versteht darunter auch die Synagoge — leine Mach: über religiöse Meinungen habe. „Tie wahre, göttliche Religion maßt sich leine Gewalt über Meinungen und Urteile an, gibt und nimmt keinen Anspruch ans irdische Güter, kein Recht auf Genuß, Besitz und Eigentum, kennt keine andere Macht als die Macht durch Gründe zu gewinnen, zu überzeugen und durch Überzeugung glückselig zu machen. Tie wahre göttliche Religion, bedarf weder Arme noch Finger zu ihrem Gebrauche, sie ist lauter Geist und Herz." ,a. a. O S. 432., Mit der Glaubens- und Gewissensfreiheit hangt ein anderer Vorzug der jüdischen Religion zusammen. Das Judentum kennt keine Dogmen. Wie aber, werden sie mir entgegnen, hat nicht Maimonides 13 Glaubensartikel ausgestellt'? Nun ich möchte sie, Wir zitieren nach der Ausgabe von M. Brasch, Breslau 1332. /