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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-02-01 · Heft 2 (1.2.1905) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 2 (1.2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 - Redeweise der Menschen", um sich uns verstäudtich zu machen. Streng genommen können wir von dem höchsten Wesen nur wissen, daß es ist, nicht aber, wie es ist. Unsere Erkenntnis hat eine Grenze, die niemand überschreiten kann. Sehr treffend zeigt dies Maimonides durch folgendes Gleichnis. Mancher Mensch — so bemerkt er — ist imstande, eine gewisse Last zu heben, ein anderer, der stärker ist, eine größere, ein dritter eine noch größere, schließlich aber gebe es eine Last, die auch der stärkste Mensch zu heben nicht vermöge. Und wie dies in physischer Beziehung der Fall sei, so sei es auch in geistiger, psychischer Beziehung. Die Verstandeskräfte der einzelnen Menschen seien wohl verschieden, und es werde gewiß mancher etwas begreifen, was ein anderer zu erfassen nicht imstande sei, schließlich aber gebe es esne Grenze, welche auch der tüchtigste und begabteste Mensch nicht überschreiten könne: denn „die physischen und psychischen Kräfte unterliegen demselben Gesetze". (More Xetjmciiim. 1 Teil, Kap. 31 und 32) Wir werden bei diesen Worten an den berühmten Naturforscher Du Bois Reymond erinnert, der bekanntlich auch mit Bezug auf gewisse Fragen erklärt, daß von ihnen nicht bloß gelte das Wort „ignoramus*' „wir wissen es gegenwärtig nicht", sondern auch ..ignorabimusu „wir werden die Fragen für alle Zukunft zu lösen nicht imstande sein." Aber nicht bloß Glaubenssondern auch Gewissensfreiheit lehrt Maimonides. So führt er in seinem talmudischen Werke ^misedye thora“ ans: Die mosaische Lehre und ihre Gesetze seien nur für Israel verbindlich sind für diejenigen, welche sich freiwillig der jüdischen Religion anschließen, gezwungen aber dürfte niemand werden, auch da nicht, wo Israels Religion die herrschende ist. f) Geben wir nun zu Mendelssohn über, so sihden wir auch bei ihm dieselben oder doch ähnliche Gedanken ausgesprochen. Basedow, ein Zeitgenosse Mendelssohns, der ebenfalls rationalistisch angehaucht war und alles auf naturgemäße Weise zu erklären suchte, meinte gleichwohl, es gebe eine Glaubenspflicht, wenn es sich um Glückseligkeit handelte. Mendelssohn trat diesem Grundsätze der Glaubenspflicht in seinen „Morgenstunden" <1785) entgegen und meint, wir müßten zwar im Leben das tun, was unserer Glückseligkeit gemäß ist, dagegen könne es keine Verbindlichkeiten geben, wetnn Wahrheit von Unwahrheit unterschieden werden soll. Wir zittern vor der Wahrheft, wenn sie nicht mit unserem Wohle übereinstimmt, aber die Wahrheit verlangt Aufopferung und Selbstverleugnung. Ohne diese Opfer würde alle Erkenntnis gar bald in Vorurteil und blinden Glauben ausarten. Der blinde Glaube führt aber leicht zu Aberglauben und Schwärmerei, die der Glückseligkeit der Menschen nicht weniger gefährlich sind. „Atheismus und Aberglaube, Zweifelsucht und Schwärmerei, sind beides Krankheiten der Seele, die ihr den sittlichen Tod androhen." Sehr interessant ist auch die Stelle in seinem „Jerusalem." Unter allen Vor- *) Auch darauf verdient hiugewieseu zu werden, daß Maimonides dem Islam gegenüber bemerkte: „Mögen die Moslems gegen uns bösartige Lügen ersinnen und behaupten, daß wir dem Wahne huldigen, Gott höbe einen Lohn, so wollen wir ihnen nicht mit gleicher Münze vergelten, sondern zur Ehre der Wahrheit tagen: „Die Mohamedaner glauben an die Einheit Gottes nnd sind keineswegs als Götzendiener zu betrachten" (vgl. I. Münz,. Maimonides 1902 S. 85).

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