Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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25 bev gegenwärtigen dient, aber nur indirekt, zum Wesen des Judentums. Ob und welche Bücher des Pentateuch vorexilisch oder nachexilisch sind, ist für das Wesen des Judentums eigentlich belanglos, dg das* heutige Judentum den Pentateuch, wie er nun einmal da ist, als sein Grundbuch anerkennt. Selbst ob alle Erzählungen von Moses historisch sind, ist für das heutige Judentum nur vom indirekten Interesse, da es den in der Bibel geschilderten Moses.feinen Gesetzgeber nennt. So auch ob der Sabbath aus Babnlon stammt, da die Fcitr als eine von der Religion eingesetzte Institution gefordert wird. Die Darstellung der Geschichte des Judentums ist etwas ganz anderes als die seines Wesens. Die Entwicklungsgeschichte darf dabei nur insofern herangezogen werden, als sie die vorhandenen lLatsachen beleuchtet und erklärt, wie man die Ent wickluugsgeschichte des Menschen henützt, um seine verschiedenen Organe zn erklären. Aber an der einmal vorhandenen Tatsache läßt sich nicht meistern. So wie das Judentum ist, ist es, man kann nur die! Ursachen angeben, warum es gerade io geworden ist. Die Erklärung wird freilich wieder nur eine Hypothese, sein, die aber richtig genannt werden 'muß, wenn sie die Erscheinungen ohne Zwang erklärt. Jede Religion lehrt eine Welt- und Lebensanschaunug. wie jedes philosophische Lustern. Sie ist aber mehr als fin solches, weil sie ein Element in sich begreift, das dem philosophischen Systeme abgeht - den Glauben. Die Philosophie will durch Erfahrung und durch Vernnnflschfiisse zur Welt- und Lebensanschauung kommen und darnach die Lebensführung bestimmen, die Religion nennt als Quelle ihrer Anschauung eine Offenbarung, die vor Zeiten stattfand und an die alle nachfolgenden Zeiten zu glauben haben. Die Borschriften zur Lebensführung wurden mit offenbart, wenn auch ihr logischer Zusammenhang mit her Welt- und Lebensanschauung nicht erkannt wird. Der direkte Zusammenhang des ^peisegesetzes z. B. wird mit der jüdischen Welt- und Lebensanschauung sicherlich nicht anerkannt, das Verbot des Weintrinkens nicht mit der islaemitischen, die Institution der Ohrenbeichte nicht mit der christlichen. Der Glaube an eine Offenbarung ist die Grundlage einer jeden positiven Religion, die Glaubenssätze und Vorschriften enthält. Die Glaubenssätze geben die gütigen Begriffe über Gott, Welt, Mensch, siber das Verhältnis der Welt zn Gott, des Menschen zu Gott, des Menschen zur Welt und des Menschen zum Menschen. Diese Begriffe haben aber zu verschiedenen Zeiten einen verschiedenen Inhalt, da mit dem Wachsen der Erkenntnisse sich auch der Inhalt der Begriffe erweitert? Die Offenbarung ist gleichsam nur ein Rahmen, eine schematische Darstellung, den Inhalt jedoch gibt die Erfahrung des Menschengeschlechtes. Gott läßt die Sonne aufuäd untergehen: darüber, wie dies geschieht, dachte man vor Kopernikus anders als nach Kopernikus. Gott bildete den Menschen aus Staub von der Erde und blies in seine Nase den Hauch des. Lebens. Das ist die Offenbarung. Was man sich aber darunter vorzustellen habe, erfährt man durch die Naturwissenschaft und ihre Fortschritte bereichern stetig den Inhalt dieses Erfahrungssatzes. Eine wissenschaftliche Darstellung des Wesens des Judentums wird dies sehr berücksichtigen und nicht von einem dogmenlosen Judentum sprechendas wäte zugleich ein glaubensloses Judentum, sie wird aber die Glaubenssätze nur als formbildend behandeln. Der Glaube ans Jenseits, der Glaube an Lohn und Strafe