Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 23 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2970014-2970016--7507-2978190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

23 freilich, beit ©Dtte^öienÜ färben, ihn den heutigen Ieitverhältnisscn anpassen, geht ja nicht, geht ebenso wenig wie den sonstigen allgemeinen Widerspruch zwischen Lehre und Leben der einzig möglichen und befriedigenden Lösung: Ter Revision des * Schulchan-Aruch zuzuführen. Es geht einfach nicht, hören wir so oft, und meint es auch Tausende jährlich zur Konfessionslos-Erklärung führt, die Entfremdung zwischen Juden und Judentum mehr und mehr vertieft. Es geht einfach nicht, erklären Unwissenheit, Trägheit, überängstlicher Eonservativismus und Indifferentismus mit rührender Übereinstimmung. Hier hat man nur Inden — aber nicht Iudentumssorgeu. dort gibt man die verhängnisvolle Parole ans: „Entweder — Cfoer!" Entweder der unverminderte „Lchulchan-Aruch" oder gar nichts. Nun, über dieses „Entweder — Sder" wird ein Mächtigerer zu Berichte fitzen, har es zum guten Teile bereits getan, das allumfassende Gesetz der Entwicklung mit seinem ewigen Machtgebote: Anpassen oder Untergehen. Ja, anpassen, die Rechte des Lebens und Denkens von heute anerkennen. Was nützt die Einsicht des gereiften Verstandes, das Gemüt hängt am Alten, Althergebrachten. Ein treuer Sohn trägt in aller Ewigkeit des Vaters Rock, auch wenn dieser noch so fadenscheinig und durchlöchert ist. Er ist eben vom Vater. Allerdings gibt es für einen vernünftigen Vater keinen innigeren Wunsch als den, dag sein Sohn mehr und höher entwickelt sei als er selbst. Aber der Kampf zwischen Verstand und Gemüt! Auch Rabbi Iochanan b. Sakkai hat ihn einst durchgekämpft, als er des Judentums Fortbestand mit vollständiger Aufgabe des bis dahin so grnndwickuigen SpferknUns herbeiführte. Er folgte seinem Verstände und die Geschichte gab ihm recht. Und wir? Wir verjüngen, modernisieren den Juden und lassen das Judentum mehr und mehr in's höchst kritische Stadium der Altersschwäche übergehen, halten offiziell Religionsformen aufrecht, die inoffiziell allenthalben übertreten und durch Leben und Wissenschaft als überwunden betrachtet werden. Tie Unwahrheit als Prinzip! Die Geschichte einer Eheirrung! Einst starben die Juden für das Judentum, heule droht das Judentum durch die Juden zu sterben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.