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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 22

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 22 (sequence 30)
Language
German
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22 leuchtet? Dnrchbransen sie nicht Orgelktänge? Kann der Kantor nicht mit jedem Wagnersänger rvetteifern? Ist das alles nicht ein Genuß zu sehen, zu kören? C ja, Auge und Ohr konnnen habet wohl auf ihre Rechnung. Was aber haben Auge und Ohr mit eigentlicher Andacht zu tun? Sind wir schon so tief gesunken, Religion in Sinnesbefriedigung zu suchen? Und inen täuscht dieses Blendwerk! Guckt nicht doch das Alter, das abgelebte Alter, ans der modernen Hülle? Ans den vft inhaltslosen Phrasen, oder den Bibelaustegungen, oder den albernen Beschimpfungen von Leben und Wissenschaft auf der Kanzel? Oder ans dem mehrstündigen Gottesdienste, aus den unverstandenen Gebeten, ans dem gelangweilten Gebühren der Beter, unter denen man so oft gerade die intelligensten Mitglieder einer Gemeinde vbrmißt? Während ehemals das jüdische Iamilienhans und die jüdische resp. die Religions schule einander ergänzten, stehen diese heute in schärfstent Gegensätze einander gegenüber. Daheim regiert das moderne Leben, in der Schule aber die alte VorsteNnngswelt, in der Schule, in dieser in den meisten Gemeinden fo unerhört stiefmütterlich behandelten, allerwichtigsten Institution hat inan immer noch nicht begriffen, daß die Bibel das denkbar ungeeignetste Schulbuch, — besonders für Volksschulen — ist, daß, bis auf den Grund gedanken von Gott als alleinigen Urheber des Universums, die biblische Schöpfungstheorie, die redende Schlange n. s. io. gar nichts mit der b e g i n n en den religiösen Erziehung zu tun haben, dahin vielmehr ganz andere, ungleich wichtigere weil religiöses Denken und Empfinden anbahnende Dinge, tvie z. B. Gottesfurcht, Wahrheits- und Ordnungsliebe, Gehorsam n. s. w., gehören, daß mit dem Geschichtsunterrichte in sklavischem Klammern an den biblischen Wortlaut viel Ieit und Mühe nutzlos vergeudet wird, daß schon der Dreikäsehoch beim Unterrichte z. B. der biblischen Speise und Ruhegesetze den Vater als Sünder oder den Lehrer als Lügner einschützen lernt, in der Schule, für die ntmt so oft durchaus ungeeignete und schlecht bezahlte Lehrkräfte für genügend erachtet, während Tausende für Synagogen-'Ansschmücknng geopfert werden. Nicht die Svnagoge, in die man heute das Judentum einschließt, wird dieses"KM-die Inknnft zu erhalten berufen sein, sondern einzig und allein die Schule. Da hört man bei uns im lieben Oesterreich klagen, daß der hebräische Unterricht seiner eigentlichsten Aufgabe, zur verständnisvollen Teilnahme am öffentlichen Gottesdienste zu befähigen, nicht gerecht werden kann, weil z. B. an Mittelschulen nur zwei Stunden wöchentlich für den gesamten Religionsunterricht zur Verfügung stehen. Und Vorschläge werden laut, wie z. B. die systematische Benützung der im Gebetbuche enthaltenen deutschen Uebersetznng schon in der Schule beim hebräischen Unterrichte. Ja, ist denn der Besucher der Synagoge nur Zuschaner wie im Theater, der nur zu ver stehen braucht, um* andere vor ihm auffnhren? Kann das erst zu übersetzende Wort ihn andächtig stimmen? Und doch, wie naheli,egend die Abhilfe! Verlangen doch tausend andere Gründe die Kürzung des Gottesdienstes, dessen Beschränkung auf die nächtigsten Gebetsstücke! Iür den gekürzten, den Schwerpunkt auf die jedesmalige Predigt legenden Gottesdienst werden dann zwei wöchentliche Unterrichtsstunden genügend sein.

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