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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 21

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 21 (sequence 29)
Language
German
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21 yiv vollen Höhe unserer Zeit entwickelten Juden, was bieten luir diesen? Ihnen, in deren Menschentum gerade das Judentum seinen höchsten Triumph feiert? Tie wollen wir in die veralteten Formen pressen? Von denen wollen wir, daß sie den nur iit tiestrauriger Verblendung anfrechterhaltenen Konflikt zwischen Mensch und Jude in den Religionsformen stumm in sich anfnehmen, heucheln sollen? Der ewige Jude! Ja, weil das Judentum dem Christentum in seiner höchsten politischen Machtperiode widerstanden hat? bricht das Christentum, nicht Rom, nicht Luther, nicht Lueger n. s. w. können dem Judentum was anhaben. Hier ist's ja nur die Bekehrung, gegen die es sich zu wehren hat. Zum Bekehren aus Grund von Ueberzeugung gehört aber allemal das Bieten von etwas Besserem. Von Taufen aus Interesse abgesehen, wird niemals ein aus moderner Enrtvickelungshöhe stehender Jude sich taufen lassen u. z. aus dem einfachen Grunde, weil es für den so beschaffenen Menschen nichts geben kann, was er so sehr meidet, als die Rückentwickelung. Nicht mit dem Christentum heißt es für Gegenwart und Zukunft rechnen, sondern mit dem erwachten, mündig gewordenenen Menschentum, mit der zunehmenden Erkenntnis, mit der modernen Wissenschaft, die Bresche um Bresche in die alte Borstellungswelt legt und mit Zunahme des Wissensgebietes das Glaubensgebiet verengt. Nicht die Bekehrmrg, sondern die Aufklärung tritt hier entgegen. Ha! Wie Pilze ans der Erde schießen täglich in endloser Zahl die Schriften hervor, in denen der katholische Klerus mit der Naturwissenschaft „alreckmet." In Rom war man immer voransblickend, dort kennt »mit die Gefahr. Und wir — o, Gott! Wir bereichern entweder den Zchulchan Arnch mit neuen Zusätzen, die sich auf die Fortschritte der Technik erstrecken und z. B. das elektrische Licht zum Gegenstände spitzfindiger Untersuchungen haben oder aber -- unsere wirkliche Wissenschaft erstreckt sich ganz und gar auf das Erforschen der Vergangenheit, erzählt uns haarscharf, was dieser oder jener spanische Rabbi vor Jahren gedacht und getan hat, entfaltet aber keinerlei Tätigkeit für Gegenwart und Zukunft des Judentums. Zoll das alte Judentum doch wenigstens einen schönen Leichenstein haben! Tie alten Juden häuften Zteine auf das Grab ihrer großen Toten, wir Bücher. Ter herabgekommene Adelssprosse, den man über die eigene Schwäche durch Erzählen von den Heldentaten seiner Ahnen hinwegtäuscht. Als ob denn das Judentum nur aus Vergangenheit bestünde! Als ob nicht dessen Jetzt und Zpäter mehr Rechte hätte und zu den schwersten Befürchtungen überreichen Anlaß bieten würde! S, ja doch! Tun lvir denn nichts für die Gegenwart? Putzt nicht der verjüngte Gatte seine veraltete Gattin wenigstens äußerlich heraus? Kleidet er ne nicht so ganz und gar nach der Mode? Haben lvir nicht allenthalben einen pompösen kostspieligen Gottesdienst? Zteheit nicht so und soviel jüdische Gotteshäuser schon unter den Zehenswürdigkeitcn im Bädeker? Und sind diese nicht modern, elegant eingerichtet? Taghell elektrisch be-

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