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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 20

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 20 (sequence 28)
Language
German
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20 Als Jude konservativ, als Mensch fortschrittlich gesinnt zu sein! Als Jude auf den Schulchan Arnch schwören und als Mensch sich an den Funden der Asshriologie oder den Fortschritten der Naturwissenschaft begeistern! Als Jude tausend besondere Borschriften — wenigstens offiziell anerkennen und als Mensch die persönliche Aktionsfreibeit innerhalb der durch die Natur gezogenen Grenzen proklamieren! Als Jude sich nur als Gast auf dieser Erde zu betrachten, des Gebens eigentlichstes Ziel im Jenseits zu suchen, als Mensch aber zu tvissen, daß hier und nur hier auf diesem sogenannten „Jammertale" der Menschheit Daseinszweck in immer weiterer Emporentwickelnng zu suchen sei! Als Jude ans das Sterben zu warten, als Mensch das Leben zu lieben! Als Jude z. B. die Bibel in jedem ihrer Buchstaben als von Gott geschrieben oder doch inspiriert zu betrachten, deren gesamter Inhalt mit all ihren natnrwifsenschaftlichen Darstellungen, ihren Ruhe-, Speisegesetzen n. s. w. demnach heute noch ltnd in alle Ewigkeit unbedingte Glaubwürdigkeit nnd Bindekraft znkommt, als Mensch aber zu tvissen, daß auch dieses der höchsten Berehrsing würdige Buch doch nur Menschenwerk ist und sein kann: Menschenwerk, und eben darum unser Stolz und unser Ruhm, ein Ehrendenkmal jüdischen Geistes schon vor Jahrtausenden, eine einzigartige Offenbarung dergöttlichen Geisteskraft im Menschen! Als Jude ehrfurchtsvoll sich vorlesen zu lassen von der Sabbathentweihnng, auf welche die Todesstrafe gesetzt ist, und als Mepsch am Labbath mitunter die besten Geschäfte zu machen! Ja, kann denn ein ernster, an seiner steten Weiterentwickelung arbeitender Mensch sich spalten, als Mensch verwerfen, was er als Jude anerkennt? £ doch! Wir haben auch verteidigende Gründe für dieses sehr verhängnisvolle NON possumus, für dieses verblendete Aufrechterhalten nnd offizielle Anerkennen von Religionsformen, die allenthalben den Rechten des heutigen Gebens nnd Denkens weichen müssen. Alle diese Sondervorschriften gehören zum Wesen des Judentums, behauptet man, sie sind Erziehungsmittel, sie sollen den Inden stets an Gott erinnern, in jedem Augenblicke . . . Ja, als ob dem Auge des modern entwickelten Menschen, der allenthalben die unfaßbare Entwickelungsfähigkeit der konstanten Energie im gleichfalls kon ftanten Stoffe andachtsvoll bewundert, der B. in tiefstem Erstaunen vor der An Passung der nächstbesten Blume in Farbe und Geruch an den Geschmack des sie besuchenden Schmetterlings steht, sich Gottes Allmacht nicht so tausendmal mehr und eindringlicher offenbaren würde, denn ans den dicksten Talmudfolianten. Des Menschen Menschentum liegt ja in dem Bewußtsein, das höchstentwickelte Wesen ans Erden zu sein, in dem die Gotteskraft in allen Lebenswesen zur höchsten Geltung gekommen ist: die tiefste Religiosität mit den allerheiligsten Rechten und Pflichtender Weiterentwicklung, und die bedürfe solcher Erziehungsmittel, wie sie das Ritualgesetz bieten soll? — Allerdings, den heute noch minder oder einseitig entwickelten Juden möge sie als solche dienen. Obwohl auch bei diesen der von vielen Anderen bereits znrückgelegte Entwickelnngsgang nur eine Frage der Jeit ist. - Aber unseren, bereits

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