Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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16 schöpferischer religiöser Bildung ein Glied zu sein. Ader was seit dem Abschlüsse der Schrift auf dem religionsgesetzlichen Gebiete dis ans unsere Tage gezeitigt wurde, ist Talmud, ist mündliche Thora. Fragt man ater, welchen Ersatz wir nir die Ceremonieen bieten, so antworten wir: „Th u’a scheheal pell." mündliche Belehrung! Durch diese erreichen wir dasselbe Ziel, das friiher durch Symbole und Ceremonieen erreicht werden sollte. Alle die Gedanken, die diesen zu Grunde liegen, bringen wir durch das Wort dem Herzen nahe: der fortgeschrittene Geist bedarf nicht mehr' der Sinnbilder, die ihm den Sinn nahe bringen er ist der Gefahr entrückt, daß er in dem Ceremonialdienste schon seine ganze religiöse Pflicht erfüllt zu haben glaubt statt in den Herzenspslichteu, zu denen ihn die Ceremonieen nur anleiten wollten. Die Zeugnisse der Vergangenheit, die Satzungen eines früheren religiösen Volkslebens, die Anordnungen einer in Symbolen redenden Zeit erklären wir ans ihrer Zeit, da sie noch sittigend und veredelnd wirkten: was aber für uns not tut, für uns ein Bedürfnis ist und auf unser Verständnis und unsere Betätigung rechnen kann, das erklären wir aus unserer Zeit. Aber wir bleiben nicht bei der bloßen Theorie stehen. Wir wissen wohl, „nicht die Erkenntnis ist die Hauptsache, sondern die Tat." Da stimmen wir dem Satze bei: „Wer die Thora blos in seine Gedanken aufnimmt, der geht dahin wie ein Theoretiker, der sich nicht durch Handlungen bewährt hat." Konnte der Talmud dem Studium eine so hohe erziehliche Kraft zuschreiben, daß es tugendhaft macht, ja daß es selbst der Tages Übung das Gleichgewicht hält, so muß auch uns durch das Wort gelingen, auf Gesinnung und Wandel einzuwirken. Und darum können auch wir auf die Fragen Wie viele Religionsbücher habt ihr? die Antwort geben: Zwei! eine schriftliche und eine mündliche Thora. Beide bestimmen unsere religiöse und sittliche Erziehung, in der Zuversicht, daß sich bei uns die Verheißung erfülle: „Wie Regen und Schnee den Boden befruchtet und Samen und Brot heraufbringt, so bleibt auch das Gotteswopt und die Predigt über das Gotteswort nicht ohne Wirkung: es verhallt nicht leer, ohne zur Tat angeregt zu haben, ohne vollbracht zu haben, wozu es ausgestreut ward." Jucken unck Juckentum. (Die Geschichte einer Lheirrung.) Pan Landrabb. Tr. Tänzer-Hohenems. Ehen werden bekanntlich im Himmel geschlossen und — nicht minder bekanntlich — eben deshalb auf Erden oft genug wieder aufgelöst. Himmel und Erde wissen leider in ihren Ansprüchen an den Menschen, oder richtiger, der Mensch weiß in dem. was er beiden schuldig zu sein glaubt, so selten Übereinstimmung herbeizuführen.