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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 15

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 15 (sequence 23)
Language
German
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15 Diese neue göttliche Offenbarung ist für uns bereits erfolgt, sie ist die Forderung der Zeit! Wer sind die Richter der Zeit? Richter der Zeit sind nur jene, die der Zeit gerecht werden, aber nicht jene, die. obgleich in der Zeit lebend, doch der Vergangenheit angehören. „Halte dich an die Richter deiner Zeit. Tue nach der Lehre, die sie dir geben, und nach der Weisung, die sie dir erteilen: weiche nicht davon weder nach rechts noch nach links." unbefangen wir an alles geschichtlich Gewordene berantreren. io war es doch nicht leicht, die Folgerungen für das praktische Leben sieben. Da stand die Pietät im Wege, die soweit ging, selbst einen Brauch der Väter wie ein Thoragebot (;u ehren; dann war es die Bescheidenheit, die da sagte: „Wie sich Gold;u Staub verhält, so verhält sich das Zeitalter der Vorfahren zu unserem Zeitalter:" dann war es die Rücksicht auf andere, oft auf ein Familienglied: dann der Mangel an geschichtlichem Sinn: dann war es die liebe Gewohnheit, die nicht bedenkt, das; ohne innere Triebkraft die religiösen Handlungen nur gedankenlos geübt werden: nicht zuletzt war es die gedrückte Lage jener, die auf die Zeitstimmen noch gar nicht hören können, weil die Ghettostimmung sie noch befangen hält. Von allen diesen mußten wir absehen. Wem die Ceremonieen noch etwas bedeuten, dem werden wir sie nicht nehmen wollen, nicht nehmen können. Unser Augenmerk war auf diejenigen gerichtet, die die Ceremonieen gar nicht mehr vor sich gesehen haben und die für sie auch nicht zu gewinnen wären. Das Ceyemoniatgesetz hat seine erziehliche straft bis zur Reuzeit bewahrt, dann aber hat es sie verloren, wenigstens für einen großen Teil verloren, nicht blos deshalb, weil es als ein Hemmnis erschien im staatlichen und gesellschaftlichen Leben, sondern namentlich deshalb, weil das Herz nicht mehr von ihm berührt wurde. Das Judentum ist nicht unlösbar an das Eeremonialgesen gekettet — was das Judentum ausmacht und seine Erhaltung verbürgt, das sind nicht die palästinensischen Landesgesetze, das sind nicht die Ceremonialgesetze, nein! das sind die Herzenspflichten gegen Gott und die Menschen. -An beit Lebensbaum der Thora haben sich Zweige angesetzt, die in ihren Zeiten grünend und belaubt waren. Wenn aber diese Zweige morsch und vertrocknet in die neue Zeit hineinragen, so werden alle Konservierungskünste ihnen kein neues Leben einhauchen. Es verhält sich mit ihnen wie mit den Blättern, die den Winterstürmen Trotz geboten haben. Was aber der Winter nicht vermochte, das bringt der Frühling zustande; die jungen Triebe stoßen von innen heraus die welken Blätter ab und bekleiden den Baum mit einem frischen Laub- und Blütenschmuck. So ergibt sich für uns die rechte Auffassung der schriftlichen und ntündlichen Lehre. Die schrifliche Thora weist uns auf den Gottesbund, der für uns eine ewige Verbindlichkeit behält. Die Bundestreue wahren wir durch die Bundeszeichen und die Erfüllung der Bundespflichten, wie sie als Grundsätze der Religion und Moral in den zehn Worten niedergelegt sind. Tie mündliche Thora zeigt uns den Weg der Entwickelung, wie wir die Gesetze nach Maßgabe von Ort und Zeitläufen zu erklären und für sie einen zeitgemäßen Ausdruck zu finden haben, um geistlich und sittlich gefördert zu werden. Wir weisen die Sadducäer und Karäer von uns, da sie beim Buchstaben verharrten wir folgen der Bahn des Talmud, um in der fortlaufenden Kette

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