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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 11

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 11 (sequence 19)
Language
German
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11 erlernten vermochte, der die Propheten mit der Glut des Wahrheitseifers erfüllt, der unsere Weisen mit der Kraft der Hingebung beseelt, der unsere Väter mit jener Treue, mit jenem Opfermute, mit jener Tnldergröße beseelt hat, daß sie auf alle Annehmlichkeiten des Erdenlebens, auf Menschengunst und Menschenehrc verzichteten, um nur ihn nicht verleugnen, um nur ihm nicht untreu werden zu müssen. Die Liebe, mit der man die Religion, diese Trösterin in der Not, umfaßte, war eine grenzenlose. Man wurde gar nicht müde, stets peue formen zu schaffen, in denen das Göttliche dem Menschengeiste sich darstellt und spann die Fäden des Gesetzes, die unseren Bund mit der Religion festhalten sollen ins Unendliche aus. ohne zu bedenken, daß man damit sich vom Ursprünge des Judentums zu sehr entferne und dadurch, daß das Kleine und Geringfügige zu sehr beachtet ipird, das Große und Wichtige vergessen und vernachlässigt werde. : Das Judentum an und sich ist also ursprünglich eine Religion des Geistes, in der die Form nur insoweit berechtigt ist. als durch sie der Geist verbildlicht und ausgeprägt wird. In diesem Sirhie hat die Form auch ihren Wert und ihre Bedeutung, ne ist ein Gewand des Gedankehs. ein Gefäß des Geistes, ein Träger des religiösen Zinnes, der sich auf unser Lebeü übertragen soll. Und da hätten wir selbst über die Vielheit und Mannigfaltigkeit des- Formen nicht zu klagen, wenn sie alle, die dazu bestimmt, dazu geeignet waren, den inneren Geist der Religion uns näher zu bringen, unser Gemüt anzuregen, uns zur andachtsvollen Erhebung vor Gott aufzufordern, auf uns so einwirken, daß um* Segen stiften und Licht verbreiten unter den Menschen. Aber sind sie alle so beschaffen und wird es mit allen so gehalten? Und diejenigen, die mit der peinlichsten Sorgfalt sie beobachten, ist es ihnen darum zu tuu, dadurch den Geist der Religion in sich lebendig zu erhalten? Wollten sie nicht vielmehr diesen Geist ertöten, kommt es bei ihnen nicht vielmehr lediglich darauf an, daß dem Buch staben des Gesetzes entsprochen werde, nicht dem Geiste und Zinne, den es in sich trägt? Was ist aber eine Frömmigkeit, i die den Geist eher verfinstert als aufhellt, die. das Gemüt eher beleidigt als anregt, .die das Herz kalt und leer läßt und das Leben höchstens beschwert und belastet? Ist das wirklich jüdische Frömmigkeit, sittliche Frömmigkeit? Kann gedankenloses, sinnloses, gemütloses Tun wohlgefällig sein in den Augen des Ewigen, der der Gott des Geistes genannt tvird. des Geistes, der in allem leben und wirken soll? Rein, wo die Religion zu leeren Formen herabsinkt, wo man den Geist hintanhält, darnit er die Form nicht zersprenge und in freier Entfaltung hervortrete, wo man den Geist der Religion unterdrückt, weil man die Form höher stellen möchte, da ist es Zeit, daß man die Form wegschaffe um den Geist zu befreien, da ist es Zeit, um für Gott zu wirken, die Götzenbilder des Wahnes zu zerstören, aufzuheben und wegzuschaffen die beengenden Gesetzesschranken, die eine heilsame Fortentwicklung der Lehre unmöglich machen. „Die Aufhebung der Lehre, das ist oft ihre Begründung" lehren unsere Weisen und sie haben damit eine tiefe Wahrheit ausgesprochen. Da, wo die Form dazu mißbraucht wird, den Geist zu unterdrücken, wo durch ne der Wahn und nicht die Wahrheit gestützt wird, da muß man mit ihr verfahren wie der König Hiskia mit dem ehernen Schlangenbilde. Das hatte seiner Zeit einen

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