Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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9 fürchten, indem wir den Blick erheben zu dem Ewigen und zu einer klareren Lebensauffassung gelangen und zu höherer Einsicht und Erleuchtung? Tie allgemeine Lehre, die in unserer Erzählung angedentet sein sott, wäre also hiemit herausgefnnden, aler ist dem Schriftworte damit, daß wir solche Gedanken aus ihm al leiten, nicht Gewalt angetan worden, haben wir mit dieser Auslegung desselben nicht seinen eigentlichen Inhalt völlig ausgehoben und das blos als Bild und Begriff hingestellt, was uns hier als Tatsache und Wirklichkeit kund getan sein soll? Da kommen uns aber die Weisen des Talmuds, die Verkünder der alten Überlieferung zu Hilfe, die hier eine buchstäbliche Auffassung durchaus nicht gelten lassen wollten und den Bericht von der wunderbaren Heilkraft des Schlangenbildes in einen Mahnsprnch des Judentums verwandeln und hier nichts mehr als ein Bild des religiösen Geistes in Israel erkennen. Eine Schlange heißt es, soll Moses anfertigen, sie hoch anbringen, -daß sie weithin sichtbar sei Wenn einer, der durch einen Zchlangenstich verwundet wurde, ans sie seinen Blick binlenken wird, wird er genesen. Nein? setzen unsere Weisen hinzu. „Kann denn der Anblick eines Schlangenbildes den Tod herbeiführen oder Leben verleiben?" Wer kann das glauben, daß dieses Mittel, das da Moses angewendet haben sott, irgend welche Wirkungen hervorgebracht hat? Und sie erwidern darauf: Es wird ja auch gar nicht verlangt, daß wir das so buchstäblich nehmen, wie es geschrieben steht. Ist die freie Auslegung eine vernünftige, sinnvolle, dann ist sie berechtigter und lehrreicher als jene, die sich ängstlich am Buchstaben hält und vor lauter Herumtasten an dem Aenßerlichen nicht in den Kern der Sache einzudringen vermag. Warum also hier an dem Worte hängen, das keinen Sinn gibt? Nein, nicht der Ausblick zu dem Schlangenbilde war es, der Leben und Genesung brachte, sondern der Aufblick zu den Höhen, die Erhebung zu Gott. So lange Israel sich seine innere Hoheit und Weihe erhält, sein Geisteslicht hütet und nährt, seinen Blick nach oben offen hält, sein Herz dem Ewigen unterwirft, schreitet es über alle Hindernisse kühn hinweg, findet es in Gott seine Stütze und sein Heit, hat es aber diese Pfade der Erleuchtung und Veredlung verloren, hat es von dem Ewigen sich abgewendet und sich dem Irdischen so hingegeben, daß es davon völlig beherrscht wird, daß nur aus dessen Boden allein ihm des Lebens Ireuden und Herzens Wonnen erblühen können, dann ist es nun sein Heil geschehen, und allmählich stellt sich das Verderben ein, das es allein sich bereitet, durch seine Verblendung und Verkehrtheit. Diese merkwürdige, fast ebenfalls einzig dastehende Auslegung, welche der Bericht der Thora von den Wnnderwirknngen des Schlangenbildcs gefunden hat, ist der zweite Punkt, der bei der Betrachtung desselben uns ganz besonders in die Augen fällt. Es ist aber noch ein Drittes, das hier, weil wir ihm Aehnliches nicht an die Seite zu setzen vermögen, sich auffällig macht und mit in Betracht genommen werden muß Das Schlaugenbild hat seine Geschichte. Jahrhunderte lang hören wir nichts von demselben, man würde fast gar nicht glauben, daß es sich so lange erhalten hat, aber wie müssen nur darüber erstaunt sein, noch asts später Zeit zu hören, daß man aus diesem Sinnbilde ein Götzenbild gemacht hat, so djaß Hiskia mit den Anstarten und Baalssäulen auch die eherne Schlange zerstören lassen mußte, damit sie nicht als ein Gegenstand der Verehrung fortbestehe, wie bis zu seiner Zeit. Hätte man es ahnen können, daß eine