Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Ikönig Ikiskia und die eherne Schlange. flft'be, rtclniltni t>mi Tr. N. B r ü l l f A., Rabbiner in Frankfurt a. M. 8 Die Erzählung von der ehernen Schlange, die in der heiligen Schrift mitgeteilt wird, ist in vieler Hinsicht geeignet, uns reiche Belehrung zu bieten und uns Kenntnis zu verschaffen, sowohl von dem Geiste des Judentums, als auch von den Verirrungen, die ihn in Dunkel hüllen und uns den-Einblick in sein Wesen verschließen. Zunächst ist es der Inhalt jener Erzählung selbst, der unsere Aufmerksamkeit in besonderem Maße auf sich hinlenkt, indem uns da von einen: Vorkommnisse Bericht gegeben wird, wie es sich im Laufe der Begebenheiten, während der vierzigjährigen Wanderung der Israeliten durch die Wüste nicht wiederholt hat und das dennoch als etwas Alltägliches sich uns darstellt, wenn wir aus dem äußeren Rahmen der Tatsachen, die ja eben nur als ein solcher anzusehen sind, die Erscheinung selbst hervortreten lassen, die er in n'ch schließt, und die uns ein mahnendes Bild werden soll, für unser eigenes Tun und Verhalten. Von den Grenzen Edom s, dessen König ihm den Durchzug durch sein Land verwehrt hatte, abgewiesen, setzt Israel seine Wanderung in der Wüste fort, lenkt nach Osten seinen Schritt und hofft, daß es auf ungefährlichen Umwegen in das Land gelangen werde, dessen Besitz ihm verheißen war. Da stellt sich ihm ein Feind entgegen, auf dessen Angriffe es nicht vorgesehen war, vor dessen Verfolgungen es keinen Augenblick sicher geblieben. In den Gegenden, durch welche Israel jetzt seinen Weg nahm, hausten giftige Schlangen, die eine Plage der Wanderer waren, und jetzt auch Israel hart zusetzten. Bereits waren Viele ihren tödlichen Stichen erlegen und Angst und Verzweiflung ergriff die Gemüter. „Wir bereuen es, daß wir gegen Gott gesündigt, daß wir dich beleidigt haben in unseren Reden," riesen jetzt die Israeliten dem Mose zu, „O bete doch für uns zu dem Ewigen, daß er nur die Schlangen von uns wegschaffe und fernhalte" und Moses betete zu Gott, er tat noch mehr als das, er stellte dem Volke zu seiner Beruhigung ein sichtbares Zeichen der göttlichen Hilfe vor Augen, ein ehernes Schlangenbild ließ er als Banner dem Volke vorantragen, und wer zu demselben emporblickte, der sah sich gerettet, denn er hatte da nicht blos den Anblick der Gefahr vor sich, die auf jedem Schritte so nahe war, sondern es erwachte in seinem Herzen auch das Vertrauen auf den Ewigen, der von, den Höhen sein Heil hernieder sendet und auch da Rettung verleiht, wo der Menschen Beistand uns verläßt und nicht ansreicht der Sterblichen Macht und Hilfe. Wir haben von diesem einzig dastehenden Ereignisse wie von etwas Alltäglichem gesprochen, denn auch das Leben der Menschen gleicht oft der Reise durch die Wüste. Dornenvoll ist der Weg, der zum Ziele führt. Wohin wir uns wenden, da sind auch schon die giftspritzenden Schlangen, die Neider und Hasser, die im Verborgenen dahinschleichen, vor deren Nachstellungen wir uns nicht genug hüten können. Was würde in solchen Zeiten uns den Mut.erhalten, die freudige Hoffnung und Zuversicht, die zur Erfüllung der ernsten Lebenspflichten stärkt, wenn nicht das Vertrauen auf-die Gerechtigkeit, auf die Macht und Gnade der Vorsehung, daß wir die. Gefahren, die uns bereitet werden, stets im Auge behalten, aber sie nicht