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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 6 (sequence 14)
Language
German
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6 ihren ^liic'bruif fiubct, intb bent i^c^citübcv einen Kläger bc$ konservativen ^chulchan Aruch Judentluns, unb man wirb bie Unmöglichkeit ihrer Vereinigung ohne weiterem anerkennen müssen, Lagt boch selbst ein Grätz in bem ll. Banbe seiner „Geschichte ber Juden" L. 4ll1 in Bezug auf den Lchnlchan-Aruch wörtlich.- „Es erscheint darin ein ganz anderes Judentum, als das, welches am Linai offen darr, von den Propheten -verkündet und selbst von Maimuni gelehrt wurde." lind auch das sollte zu denken geben, daß ein so bedeutender Führer der Orthodoxie wie der verstorbene Lawson Raphael Hirsch sich ebenfalls auf den Standpunkt gestellt hat: Tie Gegensätzlichkeit der Anschauungen der liberalen und konservativen Richtung läßt keine Bereinigung derselben zu. Wenn trotzdem ihr Zusammenschluß erstrebt oder gar vollzogen wird, so kann es nur auf kosten prinzipieller Anschauungen der einen oder anderen Richtung geschehen, und in der Reget werden die Freisinnigen die Zeche bezahlen. In geradezu drastischer Weise wird das durch den Rabbinerverband bestätigt, der alle Richtungen umschließen.will und dieses Ziel natürlich nur durch die Konzession erreichen kann, die Erörterung religiöser Tagesfragen ansznschließen, sofern ihre Be sprechung nicht durch Angriffe von nichtjüdischer Leite notwendig wird. Man denke sich das Widersinnige: die Rabbiner, welche hie berufenen religiösen Führer der Gemeinden sein sollen, dürfen in einer Rabbiner Bereinigung nicht über religiöse Tagesfragen reden. Das ist die natürliche Konsegnenz der ungesunden Gleichmacherei, die znui Lchaden der freiheitlichen Entwicklung des Judentums angestrebt wird. Oder man denke sich den andern Fall. Tie vor zwei Jahren gegründete „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hat als ihr Ziel die Pflege objektiver jüdischer Wissenschaft aus gesprochen. Ta erhebt sich in einer Ausschußsitzung ein einflußreicher Vertreter der konservativeren Richtung und macht Bedenken geltend in Bezug auf etwa mögliche Ergebnisse der jüdischen Wissenschaft, die die orthodoxen Gemiiter verletzen könnten, und sofort beeilt man sich, den Herrn mit der Versicherung zu beruhigen, seine Furcht sei un begründet: man werde ihm schon Rechnung zu tragen wissen. Auch eine Folge der religiösen Gleichmacherei, bei welcher der Liberalismus die Zeche bezahlt, lind endlich der kürzlich gegründete Verband der deutschen Juden! Gewiß kann derselbe segensreich wirken, soweit es sich uw die Wahrung und Vertretung unserer Politischen Rechte, handelt, aber er wird ein Unding in dem Augenblicke, in dem er auch die Verteidigung solcher religiöser Institutionen übernimmt, die in Wirklichkeit nicht mehr der Gesamt heit, sondern nur noch einem kleinen Bruchteil der deutschen Juden heilig sind. Inden: ein allgemeiner Verband sich zum Lchützer derartiger Institutionen aufwirst, weckt er in den Kreisen der Außenstehenden die unbedingte Auffassung, die verteidigte Institution sei ein Gemeingut aller Juden, selbst wenn der Verband ausdrücklich betont, es handle sich in diesem Lpezialfalle nur um eine Forderung der jüdischen Orthodoxie. Die Draußenstehenden machen eben diese Unterscheidung nicht. Lie sehen in der Vereinigung die Vertretung sämtlicher Juden und in der verteidigten Institution eine jüdische Einrichtung überhaupt, und wiederum bezahlt der Liberalismus die Zeche. Es kann uns aber wirklich nicht gleichgültig sein, wenn die Gebildeten unter den Andersgläubigen durch das Vorgehen des Verbandes z. B. den Eindruck

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