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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-01-01 · Heft 1 (1.1.1905) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 1 (1.1.1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 5 (sequence 13)
Language
German
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protestantischen Bevölkerung gefunden hat, ist dafür der treffendste Beweis. Man wird also auch unter den deutschen Rabbinern nicht eher energische Vertreter des freisinnigen Gedankens in größerer Anzahl finden, als bis die gebildeten liberalen Juden sich ihrer Verpflichtung bewußt werden, die Träger des freien Gedankens durch ihren sozialen Einfluß moralisch zu stützen. Niemand nimmt gern ein Martyrium auf sich, wenn er die Zwecklosigkeit desselben vor Augen sieht. Aber mehr noch als die gerügte strafwürdige Lässigkeit der freisinnigen Elemente innerhalb der deutschen Judenheit steht ein anderes Moment der gedeihlichen Entwicklung des Resormgedankens hindernd entgegen, ein Moment, das vielleicht von vielen als ein Vorzug unserer Zeit gepriesen wird; es ist das Streben nach Konzentration auf a l l e it Gebieten des inneren und äußeren jüdischen Lebens. Vereinigung der Kräfte ist gewiß ein Ziel, des Schweißes der Edlen wert. Was der einzelne oft nicht vermag, was die zersplitterten Kräfte niemals zustande bringen würden, das kann die zentralisierte Macht mit Leichtigkeit bewältigen. Darum erwerben sich diejenigen ein Verdienst, die für den Zusammenschluß der Kräfte wirken. Aber das gilt innerhalb des Judentums nur soweit, als Berwaltungsangelegenheiten oder Wohlsahrtseinrichtungeu in Frage kommen. Auf biefeni Gebiete ist in den letzten Jahrzehnten durch Konzentration außerordentlich Tüchtiges geleistet worden: es sei hier nur an die Wirksamkeit des D. I. G. B. erinnert oder an die Gründung des deutschen Hilfsvereins, der in der kurzen Zeit seines Bestandes schon so Großes geleistet hat. Er ist ein geradezu glänzender Beweis dafür, daß das Solidaritätsgefühl der deutschell Juden auf dem Gebiete der Wohltätigkeit auch für die ausländischen Glaubensgenossen Vorzügliches zu schaffen vermag. Aber das Streben nach Vereinigung hört überall dort auf ein berechtigtes zu sein, wo es sich um einen Gegensatz der Weltanschauung handelt. Eine Konzentration der verschiedenen religiösen Richtungen durch Schaffung einer Zentralstelle, in welcher Orthodoxie und Freisinn sich verbinden sollen, ist ein Unding. Geistige Strömungen, die sich so schroff gegenüber stehen wie Liberalismus und Konservatismus innerhalb der deutschen Judenheit, können nicht zusammengeführt werden. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft der wiederholt citierten Äußerung des unvergeßlichen Justizrats Makower, die derselbe im Jahre 1H92 auf dem Gemeindetage in Berlin gemacht hat: Tie Gegensätze zwischen Orthodoxie und Freisinn sind bei uns größer als die zwischen Protestantismus und Katholizismus, so daß ein Ausgleich nicht möglich erscheint. Er erfuhr damals scharfen Protest, und als der nachfolgende Redner gegenüber dett Makower'schen Ausführungen betonte, es fei nur wenig, das uns trenne, und eine ganze Welt, die uns vereine, da wurde ihm stürmischer Beifall zu teil. Die Anwesenden ließen sich eben durch die schön klingende Phrase betören. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß Makower mit seiner Behauptung recht hatte. Wer nüchternen Blickes die Verhältnisse übersieht, der kann sich unmöglich der Erkenntnis verschließen, baß die l eiden Weltanschauungen innerhalb des Judentums nicht überbrückt werden können. Man denke sich doch nur einen modernen Vertreter der Richtung, die in den prophetischen Ideen eines Amos, Hosca, Jesaias oder Micha

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