Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Absonderung und Ausschließung sich gefallen, die das Judentum nur in der Knechtsgestalt des Mittelalters verehren, die höchstens eine Scheintünche um die rissige Mauer legen, welche doch beim ersten Sturm znsammenbricht. Sie lverden ohne jedweden Einfluß ans die Bewegung und Gestaltung des Judentums bleiben . . . Aber auch von jenen, den Hellenisten der Makkabäerzeit ähnlichen Halbgebildeten, die den Aamen Reformjuden mißbrauchen und schänden, die hinter dem Tische der Tages- und Ztraßenphilosophen nur einige atheistische Brosamen aistlesen, mit ihren öden Geist damit zu speisen, ist kein Heil sn erwarten." Damit war der Weg gezeichnet, den die Monatsblätter zu gehen hatten. Er bedeutete einen Kamps gegen zwei Fronten: gegen den geistlirib gedankenlosen Formendienst auf der einen, gegen die Gleichgültigkeit und den Abfall auf der anderen Leite. Und wie ernst die Redaktion es mit dieser zweifachen Aufgabe stets genommen hat, das beweist schon ein flüchtiger Blick auf den Inhalt der verschiedenen Jahrgänge. Aamen, die zu den besten unserer jiidischen Gemeinschaft gehören, zieren insbesondere die ersten Jahrgänge der Zeitschrift und sicherten ihren Aussätzen von vornherein Wertschätzung und Beachtung. Es ist herzerquickend, die troff lichen Artikel zu lesen, die der unvergeßliche Jellinek, der bedeutende Rebemias Brüll, der warmherzige Emil Lehmann, der gelehrte Frankl, der greise und doch kampfesfrohe Dr. Rothschild-Alzey n. a. in dem Organ des Frankfurter Mendelssohn Vereins veröffentlicht haben. Tie hervorragendsten Vertreter des Reformjudentnms erhoben in den Monatsblättern ihre Stimme und traten kraftvoll für die zeitgemäße Gestaltung des Judentums ein. , Seitdem sind fünfundzwanzig Jahre in die Lande gegangen: manches ist anders geworden, und auch die innere Entwicklung des Judentums hat eine Wandlung erfahren. Sie wurde allmählich in Bahnen gelenkt, die sich immer iiieiter von dem Ideal entfernten, dessen Verwirklichung sich unsere Zeitschrift zum Ziele gesetzt hatte.. Es wäre arge Selbsttäuschung, wollten nur dieser Erkenntnis unser Auge verschließen. Die Reformbewegung innerhalb des Judentums hat in dein letzten Dezennium keine Förderung erfahren. Von Jahr zu Jahr gewannen die Vertreter der sogenannten „gesetzestreuen" Richtung an Boden, und ihr Einfluß wuchs zusehends. Wenn trotzdem die „Populärwissenschaftlichen Monatsblätter" als Organ der wirklich liberalen Elemente auch in den trüben Tagen sich zu halten wußten, so ist das eben ein Beweis für die Unverwüstlichkeit des freisinnigen Gedankens. Darin liegt ein Trost für diejenigen, die, durch die Mißerfolge der letzten Jahre entmutigt, an dem freiheitlichen Ausbau des Judentums verzrveifeln 'wollten. Die geschichtliche Entwicklung vollzieht sich eben in Wellenlinien: dem Aufsteigeu folgt ein scheinbarerNiedergang, aber in dem Rückschritt liegen schon die Keime des künftigen Emporblühens, und darin wurzelt auch unsere Hoffnung für die Zukunft. Wie diese Zukunft sich gestalten wird, können wir heute noch nicht wissen, aber wir erwarten von ihr den Sieg des freien Gedankens. Allerdings hat diese Erwartung zur stillschweigenden Voraussetzung, daß nur die Erfahrungen der Vergangenheit nutzbar machen für unser Wirken in der Zukunft, und es dürfte deshalb nicht unangemessen sein, in einem Artikel, der dem Silberjubiläum einer freisinnigen jüdischen Zeitschrift gewidmet ist, den Gründen nachzuspüren,- welche den Rückgang der