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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-12-01 · Heft 12 (1.12.1904) · p. Seite 282

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 12 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
Seite 282 (sequence 20)
Language
German
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i erlebniffe. Die erste Fahrt war nach Krakau; hier besuchte er den inzwischen verstorbenen j! Rabbiner Horowitz, der ihn auf SchabboS einlud. Redner schilderte sogar das Essen, daSer k bekommen hat. Er bat nämlich vier verschiedene Sorten Fische bekommen; daSMahl war - sehr üppig aber zu schwer sür einen deutschen Magen. Er hob die besondere Feierlichkeit 5 des SchabboS in Krakau hervor, alle Juden in Pelzmütze» und seidenen Kaftans boten einen herrlichen Anblick dar. Am Abend bat der Redner den Rabbiner mit - ihm inS Judenviertel zu gehen. Hier sah er ein schreckliche- Elend; er hörte auS seinem Keller einen entsetzlichen Lärm und ging'mit Überwindung mit Rabbmer ^Horowitz und dessen Sohn hinunter. Da1 bot sich seinem Auge ein furchtbare- Mild: Da stand eine magere Frau mit einem kranken Kinde auf dem Arm, der Mtann stand vor ihr mit geballter Faust und tobte, weil sie ihm kein Nachtmahl ^bereitet hatte. Er hatte einen ganzen Tag * gearbeitet und für 30 Heller Apfelsine«! ^verkauft. Dafür mußte die Frau Medizin und Lebensmittel für den ganzen Tag ^Haufen und sollte nun noch ein Nachtmahl liefern. In Bezug auf die Wohnungs« ) Verhältnisse bemerkte der Redner, daß er in einem kleinen Raume 14 Personen an-. : getroffen habe. Er kam auf das Leben der galizilchen Jugend zu spreche», welches - sich hauptsächlich in Beth Hamidrasch abspielt- Das Beth Hamidrasch ist Alle« für! die galizische Jugend, dort wird gelernt undauch gegessen und geschlafen. In Krakau existieren mehrere Bothe Midraschim und 50 verschiedene Hilfsvereine, so z. B. Waisenhaus, Altenhaus, Hospital. Das Elend ist sehr groß, die Antisemiten haben überall Konsumvereine gebildet, um den jüdischen Handel lahm zu legen. ES gibt auch sehr viele Handwerker unter den Juden, sie leiden aber auch unter dew Druck der Antisemiten. Auch Ackerbauer sind unter ihnen, auch sie werden unters drückt. Es ist unter diesen Verhältnissen als ein Wunder anzusehen, daß die galizische» Juden nicht verkümmern. Zu seinem Erstaunen sah er dort Verhältnis-! mäßig sehr wenig Geisteskranke und Krüppel. Redner schilderte dann die traurige« Zustände der „Chedarim." In einem engen Raum sitzen bei einer Kerze 30 Kinder zusammengepreßt. Derselbe Raum dient auch zum wohnen, kochen rc. Redner! spricht dann von den Schulen des Baron Hirsch. Dort sind die Einrichtungen vortrefflich; aber die orthodoxen Juden schicken ihre Kinder nicht hin. Ein heftiger Gegner der Baron. Hirsch-Schulen war der berühmte Rabbi Hillel Lichtenstein; Rabbiner in Kolomea. Alseinst Friedländer, der Gründer der Schulen, zu ihm kam und um seine Unterstützung bat, fragte der Rabbiner: Was wird dort gelehrt werden? Friedländer antwortete Geschichte, Geographie rc. Da entgegnete der Rabbiner: Wozu haben die Bachurim Geographie nötig? Sie schnorren sich auch so durch von Ort zu Ort, und lernen praktisch Geographie, Sie werden sich schon zu Ihnen hinfinden ohne Geographie. — Für die Feldrabbiner der k. und k. österreichisch-ungarischen Armee ist zugleich mit denen für die andersgläubige Militärgeistlichkeit eine neue Adjustierungsvorschrift herausgekommen. Sie sind befreit davon! Offizierskopfbedeckung zu tragen, sonder» tragen Kopfbedeckung nach Vorschrift des Ritus. Die Ausrüstung besteht sonst hf MÜ

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