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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-12-01 · Heft 12 (1.12.1904) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 12 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
Seite 274 (sequence 12)
Language
German
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großen, unersetzlichen Mann. Aber auch die unerschöpflichen Schleusen des religiösen Haders öffneten sich über die Maimonidischen Schriften, namentlich über den „More“ und das „Sepher hamadda“ (Buch der Erkenntnis — Einleitung zur „Jad“), und verwüsteteten weit und breit die Wohnungen des Friedens in Jakob. Ein volles Jahrhundert wogte hi» und her der unglückselige Streit. Die Anhänger und Verteidiger Maimoni's, zu denen in erster Linie sein vortreffliger Sohn R. Abraham b. Moses zählte — wie der Verewigte, Leibarzt des Sultans zu Kairo — dem Vater nicht gleich, aber in Gelehrsamkeit und Sitten desselben würdig, nahmen die angefeindeten Bücher durch zahlreiche Schriften in Schutz, die Widersacher aber klagten sie als ketzerische Erzeugnisse eines gefährlichen Geistes an, den man an "seinen Früchten erkenne, indem viele dadurch von den alten Lehren und Gesetzen abwendig gemacht würden, die Worte der Schrift und ihre Erzählungen durch bildliche Deutungen verflüchtigen, sich von biblischen Satzungen, wie vom Anlegen der „Tefillin“, lossagten und darum müsse dem einreißenden Verderben durch Bann und Verfolgung ein Damm entgegengebaut werden. Schon im Jahre 1205, so kurz nach dem Tode des großen Denkmeisters, entbrannte der Streit gegen die Maimonidischen Schriften vom südlichen Frankreich her, wurde aber bald wieder gedämpft, um im I. 1231 von Montpellier aus, wo eine der angesehensten und gebildetsten jüdischen Gemeinden blühte, sich um so heftiger wieder zu entzünden. Dort wirkte zur Zeit der rabbinisch gelehrte, aber stocktalmudische R. Salomo b. Abraham, und glühendster Eifer erfüllte ihn gegen j jeue Schriften, deren sämtliche Vorzüge: die körperlichen Vorstellungen von Gott in Abrede zu stellen, die sinulichen Schilderungen in den Propheten geistig zu fassen, die „Auferstehung" bildlich zu deuten, und von den göttlichen Geboten Vernunftgründe anzugeben, er zu ebensovielen bitteren, unversöhnlichen Vorwürfen und Anz griffen gestaltete. Er fand Anklang und Anhang, und die verketzerten Schriften j wurden mit dem Banne belegt. Allein auch die Anhänger des Maimonidischen j Geistes regten sich, und es entstand ein ungemein bitterer Federkrieg, in welchem j Juda b. Joseph Alfachar, ein in weiteten Kreisen gefeierter Arzt und Gelehrter zu Toledo in Spanien, mit ungemeiner Heftigkeit gegen, R. David Kimchi (Redak), der berühmte Lehrer der hebräischen Sprache zu Narbonne in der Provence, für Maimonides, und Nachmanides (Ramban), der gelehrte Rabbi von Gerona in Spanien, seiner milderen Natur gemäß, vermittelnd auftrat. . Jener mit so großer Leidenschaft geführte Briefwechsel, sowohl wegen der j Bedeutung des Gegenstandes, als auch wegen der betreffenden hebräischen Schreibj weise, des beißenden Witzes und der überraschenden Wortspiele noch heiite höchst \ anziehend zu lesen, war geeignet, die betroffenen Gemüter tief zu verwunden, aber dem Eiferer von Montpellier genügte nicht solch geistiger Kampf zur Besiegung der ■ Ketzerei. Seine Waffen waren giftiger, tötlicher. Ein Geist religiöser Aufklärung I hatte nämlich schon seit langer Zeit auch das christliche Volk in der Provence Mf-

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