Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 272 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Kinder in der christlichen Religion auferlege. Abraham Geiger, der an der Braunschweiger Rabbinerversammlung teilnahm, schrieb damals in seiner Zeitschrift (VIII 88, 89): Die Heiligkeit des EhebundeS wird nicht mehr einem Religionsbekenntnisse ausschließlich.zugeeignet. Eine Ehe zwischen Juden und Christen entbehrt demnach, sobald sie in gesetzlicher Weise geschlossen wurde ihres sittlichen Wertes durchaus nicht, und es kann der Religion nicht beikommen auch von ihrem Standpunkte aus, derselben ihre Geltung absprechen zu wollen. Wenn daher ei» Rabbiner dem Verlangen des Paares nach Veranstaltung einer religiösen Feier nachkommt, so ist dagegen nichts einzuwenden. Denselben Standpuirkt nahmen auch die Synoden zu Leipzig, und Augsburg ein. Zu erwähnen wäre noch, daß in neuester Zeit sich gerade im Zionismus, der nationalen Partei» deren Führer Nordau, und Zangwill Mischehen eingegangen, Stimmen für die Mischehe erheben. Fragen wir, ruft ein Schriftsteller in der „Jüdischen Rundschau" aus, welche Vorteile die Mischehe für eine jüdisch-nationale Sache haben kann? Die arische Frau, mag sie Deutsche, Französin. Engländerin, Russin sein, entstammt Bolksstämmen von hervorragender, kriegerischer und staatenbildender Befähigung, die außerdem von glühendem Eifer für die Unabhängigkeit und die Größe ihrer resp. Länder erfüllt sind. Könnten wir diese Eigenschaften der ganzen jüdischen Jugend im Sinne des Zionismus einflößen, so wäre damit die Judenfrage gelöst Man nehme beispielsweise an, daß an Stelle der sechs Millionen reiner Rassejuden, die jetzt in den westlichen Gouvernements von Rußland in den elendesten Verhältnissen hinsiechen, sechs Millionen Mischlinge von Juden und Ariern leben und sich zur jüdischen Religion bekennen würden. Jedermann wird zugeben, daß eine solche Bevölkerung sofort zum Schwerte greifen und einem derartigen Elend ein rasches Ende bereiten würde. Sie würde sicher nicht eher ruhen, bis sie sich nicht mindestens eine Position erkämpft haben würde, wie sie z. B. die Polen in Rußland inne haben. Das jüdische Volk hat durch die zwei Jahrtausende währende Verbannung große moralische Eigenschaften, vor allem Opfermut und überzeuguugstreue gezeigt. Seine staatenbildenden Qualitäten soll es erst noch erweisen. Vor deren Erprobung ist es augenblicklich gestellt. Es kann ihm nur zum Vorteil gereichen, wenn es zu diesem Behufs sich mit Elementen verquickt, denen obige Eigenschaften in hohem Maße zukommen. Natürlich immer nur soweit, daß dadurch die jüdische Eigenart nicht verloren geht. Ich komme also, trotzdem ich entgegengesetzte Argumente als giltig anerkennen muß, doch zu dem Schluß: Meiner Meinung nach sind Mischehen, sofern die Sprößlinge dem Judentum erhalten bleiben, der zionistischen Sache eher förderlich, weil sie ein Menschenmaterial liefern, das ganz geeignet ist, dem Judenelend, mag es in Europa, mag es in Palästina sein, ein schnelles und gründliches Ende zu bereiten. Der Vollständigkeit! wegen ist noch hervorzuheben, daß in den letzten Jahrzehnten vielfach Mischehen durch jüdische Geistliche religiös eingesegnet wurden, so daß sogar unsere Predigtlitteratur bei solchen Anlässen gehaltene Reden i«Wih<rmttii r i i inaür