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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-12-01 · Heft 12 (1.12.1904) · p. Seite 269

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 12 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
Seite 269 (sequence 7)
Language
German
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269 denen die große Aufgabe geworden, aus versprengten Volksresten einen m jüdischen Staat zu schassen und zu organisieren, der für die Zukunft bestimm sein sollte» laben die strengsten Maßregeln gegen die Mischehe ergriffen und nu beispielloser Rücksichtslosigkeit und Härte unter Androhung der Strafe des Banne-, nicht nur für die Zukunft die Eingehung einer Ehe mit den anderen Völkern strengste verboten, sondern auch die Juden, welche in gemischter Ehe lebten, gezwung« ihre Frauer und Kinder schonungslos zu verstoßen. Hart war diese durch die Zl gebotene, vc nt nationalen Standpunkt zu rechtfertigende Maßregel insoserne, als ftj auch rückwirkende Kraft haben sollte und weil sie, weit über das biblische Verb« Hinausgehens, auf heidnische Völker überhaupt erweitert und ausgedehnt wurde. Ewar ein folgenschwerer Augenblick für die Entwickelungsgeschichte des Judentums als Religio t, als Esra und seine Gesinnungsgenossen im November 458 v. die Beschlüße in Bezug auf die Mischehe im Gegensätze zum Gesetze der Prophet« weit über das mosaische Gesetz hinausgehend, zur Ausführung brachten. Vergebe! erhob sich damals eine aus angesehenen Mitgliedern bestehende Gegenpartei, um gegen eine solche geistige Vergewaltigung zu protestieren, vergebens erhob dagegen Maleachi, der letzte der Propheten, seine Stimme mit den Worten: „Ihr bedeut den Altar mit Thränen, Weinen und Seufzen und fraget womit? Der Herr 8i Zeuge zwischen Dir und dem Weibe Deiner Jugend, die Du treulos verstoßest, da ne durch Deine Genossin das Weib Deiner Jugend ist. Ich hasse das Fortschickep, spricht der Herr der Gott Israels." Die Zeit und die Verhältnisse waren mächtiger als die Stimme des Propheten, als die Stimme der Religion, die nicht zstr Geltung gelangen konnten. Ein Nachhall dieser Stimmug, die damals weite Bolhskreise beherrschte und eine Verurteilung der damaligen Vorgänge klingt aus' dem lieblichen Schriftwerke Ruth heraus. Der Dichter erzählt in demselben scheinbar eine Harm os idyllische Geschichte, berührt aber die brennende Tagesfrage dier Mischehe, i)ie er int Geiste und Sinne des Judentums bespricht, das in erster Linie eine Religion sein soll und nicht zum bloßen Volkstum herabsinken darf. Diese Stimme des Protestes und der scharfen Beurteilung hatte zwar zur Folge, däst die Mischehen, trotz Esras strenger Verordnung nicht zu den Seltenheiten gehörte«, (Neh. *13,22) jedoch wurde später Esras durch die Verhältnisse gebotene Bestimmung, obwohl sie in offenem Widerspruche zu den geschichtlichen Erinnerungen und zum biblischen Gesetze stand, ihres vorübergehenden Charakters entkleidet und zum dauernd« Gesetz erhoben. Von einem Hasmonaeergerichte 200 Jahre nach Esra wird erzählt, daß dasselbe die Mischehe mit Heiden überhaupt verboten (Abod. sarah 36.) nick» so haben denn auch die Schulet Sammais und Hillels diesen Standpunkt einge»" nommen, der dann in die Gesetzessammlungen des Maimonides und Joseph Kar»-, die für däS jüdische Leben normgebend waren, übergegangen ist. Trotzdem ab« bleibt selbst vom streng talmudisch-rabbinischem Standpunkte die Ehe mit den Völkern in deren Mitte wir leben religsonsgesetzlich durchaus nicht verboten. Denn man

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