Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser Sprache versagt und muß ihnen aus mehr denn einem Grunde — so z. schon wegen der Überlastung an Lehrstoff — versagt bleiben. So bleibt dem Heranwachsenden Geschlechte der jüdische Gottesdienst 4rtt<j dort, wo man ihm durch Abkürzung, Einführung der Orgel und Einfügung denk Gebete einen modernen Charakter zu geben versucht hat, unverständlich, und ersche» ihm zurückgeblieben und unmodern. Das ist nicht nur in Frankfurt so; so ist auch anderwärts. „Die alten Gebete mögen unsere Alten befriedigen, die in einend anderen Milieu ausgewachsen sind; unsere Jugend befriedigen sie nicht nur nichts sie treiben fid förmlich aus der Synagoge." So klagt mit Recht eine Stiuru^ aus Österreich in Nr. 42 der allgem. Zeitung des Judentums. Und in derselben Rummels sagt Dr. 23ei:n])arb Weiß von dieser Art heutigen Gottesdienstes und seiner Wirkung auf bif| Jugend: „Statt daß der Gottesdienst die Liebe zur Religion in den Herzen Jugend wach erhält, bringt er es durch seine Mängel zuwege, der Jugend letzte bischen Anhänglichkeit, das sie sich noch zu ihrer Religion bewahrt hat, äti|| dem Herzen zu reißen." Und was soll der liberal denkende Vater unmündiger Kiri tun, der sich durch Überlegung und Erfahrung zu einer fortgeschrittenen Weltalls schaunng durchgerungen, aber trotzdem das Bestreben hat, seinen Kindern Liebe uuW Anhänglichkeit zum Judentum und zu den in ihm ruhenden freien und hohes^ Menschheitsideen eiuzuflößen? Will man ihn zwingen, seine Kinder zu einenl Gottesdienst an den hohen Feiertagen zu geleiten, den das Kind nicht versteht, weil eD nicht in der Sprache des Landes abgehalten wird, und welche seinen eigenen Achtz schauungen, seinem Geschmack und feiner ästhetischen Lebensauffassung zuwider. ist? Diesen Gottesdienst wird und kann er nicht besuchen, und so wird auch das KinI dem Judentum immer mehr entfremdet. “ - Diese Ideen waren es, welche das Frankfurter Komitee veranlaßten, bei« Vorstande der Gemeinde wegen Einführung eines neuen Gottesdienstes vorstellig Es bat darum, zunächst an den hohen Feiertagen nn Westende b*ijj .besonderen Gottesdienst einzurichten, der modern und schön, kurz un^ doch von jüdischem Geiste beseelt sei, sowie Interesse und Liebe zu« Judentum erwecken könne. \ Die Frankfurter Gemeiudeverwallung hat durch lange Jahre hindurch religiös liberalem Gebiete, die ihr durch ihre Geschichte und ihre Vorgänger erlegten Pflichten vernachlässigt, eine fortschreitende Entwicklung der liberalen stitutionen des Judentums bedauerlicher Weise nicht in die Wege geleitet und siß zum großen Nachteil der ihr anvertrauten Gemeinde dem Abfall und der die Wege geebnet. Es ist ein unbestreitbares Verdienst der jetzigen Verwalt daß sie ihre wahre Aufgabe erkannt und jenen unheilvollen Weg kurzsichtig Politik verlassen hat. Es gereicht ihr zum Ruhm, daß sie unter Wahrung den verschiedenen Richtungen zustehenden Rechte und ohne Verletzung der Orthodoxie^ doch auch den liberalen Mitgliedern der Gemeinde das zu bieten bereit ist. zu werden Stadt einen deutsch, und