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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-11-01 · Heft 11 (1.11.1904) · p. Seite 248

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 11 (1.11.1904)
Date
1904-11-01
Page
Seite 248 (sequence 10)
Language
German
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WWWWWW-W — 248 — zu verlangen berechtigt sind. Es ist besonders dankenswert, daß die Gemeindeverwaltung. von diesen Erwägungen geleitet, die Einrichtung eines solchen Sonder- Gottesdienstes neben den bestellenden beiden anderen Kulten, nämlich dem orthodoxen Mtus in der Neuen Gemeindesynagoge und dem Orgclgottcsdicnste der Haupt- Synagoge (Geigersches Gebetbuchs und ohne Antastung derselbe» beschlossen hat. Bei der Einrichtung dieser Gottesdienste galt es nun zunächst, die Grundfrage zu beantworten, ob man etwa nach dein Borbilde der alten Avdachtstnnde Philantropins in Frankfurt oder der Reformgcmcindc zn Berlin, die Bahnen der hergebrachten Gottesdienstordnung verlassen und neues, besonderes schaffen oder xvb man vielmehr die Tradition des alten Gebetbuches beibehalten, dieses aber verdeutschen, erläutern, verkürzen und verbessern sollte. Die Entscheidung fiel — vor Mein auch infolgedessen, daß der Rabbiner der Hauptgenieinde Dr. Cäsar Seligmann energisch für die Ausrechterhaltnng der Tradition eintrat — zugunsten der letzteren aus. Und darin liegt eben das hochbedeutsäme dieser neuen Einrichtung, ^d6ß sie als folgerichtige Weiterbildung des alten Gottesdienstes gedacht ist, und 'nicht als eine, die bisherigen Grundlagen desselben negierende Neuerung. Rabbiner Dr. Seligmann wurde auf Grundlage der hierfür eingehend festgestellten Grundsätze beauftragt, für den geplanten Gottesdienst ein besonderes Gebetbuch zu bearbeiten. Dieses Gebetbuch — einstweilen als Manliskript gedruckt — ist aufgkbaut aus der alten Ordnung mit allen ihren Unterabschnitten des i Kultus, aber unter Anwendung ganz bedeutender Kürzungen Es enthält in überwiegender Zahl deutsche Gebete und Betrachtungen, vor allem das herrlichste aus dem jüdischen Gottesdienstes die Psalmen in deutscher Übertragung, sowie deutsche Gesänge; dort, wo man das Hebräische aus Gründen der Tradition und der Pietät s beizubehalten für gut fand, wurde dem hebräischen Texte eine moderne, deutsche ^Bearbeitung an die Seite gestellt, und zwar in einer Satz- und Druckanordnung, daß auch der unkundige L^ser diesen Gebeten folgen kann. Dr. Seligmanu hat seine Aufgabe in vortrefflicher Weise gelöst. Die Aus- , wähl der verbleibenden Gehelstücke und die Ausscheidung der unnützen und schleppenden Wiederholungen besorgte er mit feinem, von wirklichem Verständnis für seine hohe Aufgabe getragenem Takte. Die deutschen Übersetzungen sind in geschmackvoller» * anziehender Sprache gehalten; die betrachtende» und erläuternden Einfügungen sind , Musterstücke ernst erhabene», poetische» und weihevollen Stils. Manche Einzelheiten dieses Gebetbuches,! wie z. B. das dem Schofarblasen vorangehende, dessen? historische und ethische Bedeutung erklärende Gebet, oder die dem hebräischen Sündenbekenntnis vorangeschickte deutsche Einleitungsansprache, sind ohne Vorbild und besonders ansprechend und erhebend. So wurde denn ^m letzten Neujahrsfeste, wie auch am Borsöhnungstage auf Grundlage dieses Gebetbuches in einem größeren Saale des Wcsiends unserer Stad^ ein besonderer Gottesdienst abgehalten. E>n vortrefflich geschulter Chor mit

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