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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-11-01 · Heft 11 (1.11.1904) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 11 (1.11.1904)
Date
1904-11-01
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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ByP:U- LI dMWWMWDW 244 — Fesseln, die den Geist des jüdischen Volkes umgaben, siegreich durchbrochen und ist dadurch ein würdiger Nachfolger des großen Propheten geworden. Viele Umstände haben zusammengewirkt, um bei Maimonides die Höhe der Entwickelung, die er tatsächlich erreichte, vorzubereiten. Zuerst hatte er vorzügliche natürliche Anlagen, die durch einen hervorragenden Erkenntnisdrang und eine außergewöhnliche Energie unterstützt und gefördert wurden. Zudem boten die Zeit- und Ortsverhältnisse der Aufnahmefähigkeit seines Geistes reiche Nahrung. Er wurde im Jahre 1135 zu Cordova geboren. Neben der gründlichen Unterweisung des Vaters in Talmud und Mathematik genoß Maimonides noch den Segen der hohen arabischen Cultur, deren bedeutendste Träger seine Lehrer in Naturwissenschaften und Astronomie wurden. Die frühzeitige Beschäftigung mit Wissensgebieten, die die Gewalt des Weltschöpfers und Regierers so deutlich erkennen lassen, weckte schon in dem Kinde die religiöse Empfindung zu vollem Bewußtsein, und die Lebensaufgabe, die Maimonides erfüllt hat, stellte ihre Forderungen schon klar und streng an das Kind und später in noch verstärkter Eindringlichkeit an den Jüngling. Die Familie Maimunis mußte, um ihres Glaubens willen von den Mohammedanern verfolgt, ihren Wohnsitz vielfach wechseln. Unruhvolle Wanderjahre führen sie von Cordova nach Fez, nach Akkon, Palästina und zuletzt nach Ägypten. Von Verfolgungen erschöpft, ließen sie sich hier nieder und hofften, nun endlich Ruhe zu finden. Ihren Lebensunterhalt gewannen sie aus eitlem Juwelenhandel, den Mose b. Maimon gemeinschaftlich mit seinem Bruder David betrieb. Der Frieden, der sich auch wirklich einstelUe, war aber nur von kurzer Dauer. Kaum waren sie in der Fremde ein wenig heimisch geworden, da starb der Vater und einige Jahre später der Bruder David b. Maimon. Der Verlust dieser geliebten Menschen traf Maimonides bitterlich schwer; dazu kamen noch wirtschaftliche Sorgen, die Verpflichtung, seiner eigenen Familie und der seines toten Bruders die Lebensunterhaltung zu schaffen, die ihn zwang, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse in Erfüllung des ärztlichen Berufes auszunützen. Die Hauptaufgabe seines Lebens aber sah Maimonides in der Erforschung der heiligen Lehre und darin, seinen Glaubensgenossen, gleichgiltig welchem Stande sie angehörten, das Studium des Talmud zu einer stets gern geübten Pflicht zu machen. Mit all^n seinen Kräften strebte er danach, die Beschäftigung mit dem Talmud zu erleichtern und infolgedessen auch zu verallgemeinern, während das bis zu seiner Zeit nur das Vorrecht der wirklicheu Schriftgelehrten war. Aus diesem Bemühen entstanden die drei Werte, die'Maimonides zu einem der allergrößten Männer in der Geschichte des jüdischen Volkes machten. Der Mischna-Commentar, die Mischna-Thora und der Moreh Nehuchim. Die beiden ersteren sind religiöse Werke, gewaltige Zusammenfassungen alles dessen, was an religiösen Erkenntnissen und Gesetzen im Talmud enthalten ist; der Moreh Nebuchim hat religions-

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