Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 243 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969988-2970000--7422-2978108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
243 den Kischiuewer Abscheulichkeiten viel tiefere Schuld als die betrunkene Horde, die H in Mordraserei verfiel". „Hetzen unsere Blätter etwa' weniger als jenes russische?" Der Unzahl^ Gleichgültiger ruft sie offen zu: „Der Antisemitisinus ist so „bien porte, salon- und hoffähig geworden, daß man, wenn man auch nicht antisemitisch denkt» sich doch nicht kompromittieren, namentlich diejenigen Hochmögendeu nicht beleidige« will, die sich zu dieser Modegesiunung bekennen".„Du — so spricht sie zu ihrem Gatten — „wärst wieder aufgestanden jetzt, um zu protestieren, hättest dich furchtlos exponiert. Nun aber hat dir der Tod ewig die Lippen versiegelt — lind da mußte ich dein Dolmetsch sein" (S. 147). Möge es der edlen Dichterin noch recht lange, lange vergönnt sei», im Sinne j ihres unvergeßlichen Gatten ihr „Scherflein zum Besserwerden der Welt beizutragen, für das Gute, für das unvergängliche Licht der Wahrheit zu arbeiten, zu ringen, 'i denn „der Tücht'ge sieht" — um mit Grillparzer zu sprechen — „in jedem Soll ein Muß, undZZwang, als erste Pflicht, ist ihm die Wahrheit". Waimonides. Bon E. Weißmann-Breslau. Wenn die schöpferische Natur all ihre Kräfte und Fähigkeiten concentriert» um auf ein einziges Wesen die Fülle ihres Könnens auszuschütten, so schenkt sie der Welt das Genie. Die Genies, an idealen Wertmessern gemessen, sind viel seltener als wir gewöhnlich annehmen, wenn >vir jeden dritten Menschen ein Talent und jeden zehnte« ein „Genie" nennen. Die Natur liebt keine Ausnahme»,- nichts wird regelmäßig«)^ befolgt als die Regeln, die die Natur sich zur Richtschnur gemacht hat. Die Zähl der Geburten — das ist statistisch »achgeiviese» — hat dieselbe Höhe, wie die Zahl der Todesfälle, und eine ausnahmsweise große Sterblichkeit z. Bzur Zeit von Seuchen gleicht die Natur durch eine entsprechend höhere Zahl vo» Geburten a«S< So sucht sie i» mer zu nivellieren. Kouimt aber einmal inmitten der gleichmäßiges Arbeitsleistung großmütige Schöpferfreude über sie, dann durchbricht sie die Schranke» des Alltäglichen und Mittelniäßigen und schickt de» Menschen ein Genie. Biele Jahrhunderte vergehen vom Auftreten dco einen bis zu dem' des andern Gemüts infolgedessen haben wir im ganze» Laufe der irdischen Entwickeliingsgeschichte nik viele gehabt. Mose war eines, das größte Genie aller Zeiten und Böller, SokratM Maimonides, Shakespeare und Goethe. Beinahe siebenhundert Jahre sind seit dem Tode Maimunis vergangen, und noch hat er im jüdischen Volke keinen Nachfolger gesunde». Wie der erste MM sein Volk aus leiblicher Knechtschaft befreit hat, so hat Mose b. Maimon Äd)