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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-11-01 · Heft 11 (1.11.1904) · p. Seite 242

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 11 (1.11.1904)
Date
1904-11-01
Page
Seite 242 (sequence 4)
Language
German
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Übel, an denen die Menschen unserer Zeit leiden? Daher, antwortet Tolstoi, daß „die Mehrheit (der Menschen) lebt ohne das, was einzig und allein eine vernünftige Richtschnur menschlicheniHandelns sein kann — ohne Religion; nicht die Religion, die in dem Glanben von Dogmen besteht, in der Erfüllung von Zermonien, sondern der Religion, die das Verhältnis des Menschen znm Universum, zu Gott bestimmt und daher der gesamten menschlichen Tätigkeit eine höhere Richtung gibt, ohne die die Menschen auf das Niveau des Tieres, ja unter das Tier herabsinken," (a. a. O. S. 46).J „dem Menschen bleibt keine Wahl, er muß der Knecht des gewissenlosesten und frechsten Knechtes sein oder Gottes Knecht. Denn für den Menschen gibt es »nr ein Mittel frei zu sein: Die Übereinstimmung seines Willens mit dem Willen Gottes^ (n, a. O. S. 48). Welcher Bibelkeüner wird hier nicht erinnert an das Wort der Thora: „Mir sollen die Kinder! Israels Knechte sei», meine Knechte seien sie, die ich aus dem Sklavenlande Ägypten geführt, ich bin der Ewige, euer Gott." (III. B. Mos.; Kap. 25 Schlußvers 5h). Welcher Jude, der seine Gebete kennt, wird hier nicht erinnert an das schone' Dort, das wir an den höchsten Feiertageil beten: „Alle Menschen sollen zu einein einzigen Bunde werde», um Deinen Willen (o Gott) mit vollem Herzen zu erfüllen!" Noch tiefer aber werden wir ergriffen, wenn ivir die herrlichen ..Briefe an einen Toten"l) leseni Berti,a v. Suttner hat sie ihrem treffliche» und wackeren Gatten, A. Gnndaccar v. Suttner gewidmet, dem edlen Menschenfreunde, der am 10. Dezember 1902 leider allzufrüh von des Todes kalter Hand dahiugerafft wurde. „Arbeiten, arbeiten am Wohle der Menschheit", ivar der Grundsatz, den Gnndaccar v. Suttner stets in seinem Leben befolgte, ein Grundsatz, den er auch noch in seinem Testamente seiner Gattin ans Herz legte. Wahrlich, man braucht nur diese „Briese an einen Toten" zu lesen, um zu erkenne», wie es sich Bertha v. Suttner zur heiligsten Pflicht gemacht, zu arbeiten „am Wähle der Menschheit". Mitten in ihrer Trauer und in ihrem tiefen Schmerze ruft sie aus: „Nicht von dir und von mir soll ich reden, sondern von den Dingen, denen wir beide vereint gedient und in deren Dienst ich noch weiter wirken soll bis „an das Ende meiner kurzen Lebensstation" (S. 11). Nicht minder scharf wie den Krieg bekämpft Bertha v. Suttner den Rassenhaß. Man lese nur einmal den XV. Brief „Ingrimm" betitelt, in welchem sie die Ereignisse von Kischinew bespricht. Sie ruft den intelligenten Jildenhasser», die von eiilein Totschlägen der Inden nichts wissen wollen, ja darüber empört sind, zu: -„Ihr habt kein Recht zu dieser Empvrnng, Mitschuldige! Ihr dürft nicht mitleidig sein, Mitgrausa me! Bluthunde sind eine schlimme Gattung Tiere; aber schlimmer sind jene, die sie reizen Und Hetze». Das Blatt Bessarabetz hat an l) 7. Ausl. Piersvn's Verlag, Dresden 1905; Mk. 2.50. ’fniriniir MMMWM« ', .. -M

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