Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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WM WWWWWW — 229 — erhalten/ in den sich der Holzriegel einfügte. Der Bogenabschluß deS Fenster« in Verlust geraten. Die Rundsäule trägt ein aus Vögeln gebildetes Kapitel, mit ihren. Hälsen verschlungen sind. Die vierkantige Stcinstütze ist an den und rückwärts mit Flechtornament reich verziert. Die tief ausgehöhlte VorderstÄW zeigt eine unbekleidete männliche Gestalt, halb kauernd, die Rechte leicht erhob«. Ä Am Abschluß der Kaiiellierung ist ein Kopf von sorgfältiger Durchbildung voMs» einem Rund eingeschlosseu, das vielleicht Wolken andeute» soll. Ob zu Füßen der nackten Figur Wolke» ausgedriickl sein sollen, steht dahin. Merkwürdigerweise iff j nun diese aus der Fläche stark herausgearbeitete Darstellung von einem Adler boschirmt, der mit ausgebreiteten Flügeln die Vorderseite des Kapitels überspannt, ■■■jj Das Adlerbild ist sorglich durchgcbildet und von künstlerischer Auffassung. Andere | in der Mauer liegende Reste, ein romanisches Portal und ein Keller-Eingang gleicher Zeit, sowie Verschlüsse von Kelleröffnuugen, die in ihrer Art zu den nierS« würdigsten Dinge» derart zählen, steigern das Interesse sür diese Baureste, die «Ne Kulturperiode bezeichnen, aus der weit und breit nur wenige, ja vielleicht keine ver»^ wandten Zeugen aufzuführen sind. Was diese Spuren eines vornehmen Wohnba«M^ für Mainz bedeuten, ist ein höchst anregendes Problem. Es ist nämlich nicht z» übersehen, dgß eben in diesem Teil der Stadt vom frühere» Mittelalter an die^ älteste Judengeilleinde angesiedelt war; sic zählte vielgeivanderte, reiche Genoss«,' von denen einzelne erwiesenermaßen hohes geschichtliches Ansehen besitzen. Es bedistM bloß des Hinweises auf den berühmten Kalonymos, den Lebensretter des KaiserAA Otto des Zweiten bei dem Sarazenenüberfall in der Schlacht bei Cazo delle Colounr^ in Kalabrien im Fahre 982. Kalonymos, dessen griechischer Name auf enge ziehunge» zu dem byzantinischen Osten hinweist, stamnite aus Lucca. Es ist nach der AnnahnF der bewährtesten Forscher höchst wahrscheinlich, daß die Verpflanzmy seiner Familie nach Mainz und Speyer in einem persönlichen Verdienst um däD kaiserliche Haus ihren Ursprung hat. Noch ei» Jahrhundert später konimt ein TrHM des gleichen Namens in Mainz vor, der 1096 zu Gunsten seiner GlaubensgenosstA an den in Italien weilenden Kaiser Heinrich den Vierten sich wendete. Es Letzt darum durchaus nicht fern, eben an dieser Stelle die Wohnung eines so hervorragenden Geschlechtes zu vermuten, das den Schutz der kaiserlichen Gönner sii an der reichverzierten Schauseite ihres Fainilienhauses in dem Bild des schirmenhikM Adlers angebracht hatte. Fündstücke von Schiefersäulen und romanischen Säulen« ornamenten beweise», daß auch andere Bauteile dieser Stätte reich ausgrstatteb warrM Als von der Mitte des 13. Jahrhunderts an und gerade in Mainz 1276 biltchtz^ Verfolgungen über die Judengemeinden kamen, wendeten zahlreiche Familien sich Flucht und verließen Haus und Hof. Um diese Zeit dürfte» auch diese StittD verlassen worden sein. Die Liegenschaften fielen an die Stadt. Diesem UmstmW dürfte es zilzuschreiben sein, daß die Niederlassung der Klarissen an dieser i erfolgte, wo offenes Gelände und verfügbare Baustellen in der sonst dicht brfirdetbD