Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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222 — Aber ber furchtbare Reiseplan ist nicht mehr zur Ausführung gekommen. Das arme Männchens siechte und schwand seit jenem Tage dahin, wie vor der Sonne der Schnee- «n shinen letzten Monaten betete er immer fleißig, und die Leute waren der Überzeugung, daß sich bekehrt habe. Ich bin wohl der einzige, der es besser weiß, und! da es meinem Schuster nichts mehr schaden kann, so darf ich wohl auch das erzählen. Als ich im Juli zu den Ferien heimkam, suchte mich sein Weib auf und bat, ^ch möchte zu ilfln kommen, aber des Abends, damit es niemand merke. Ich tal's; der Kranke war schon sehr schwach, hielt aber gleichwohl noch einen ungeheueren Folianten auf den Knien, in dem er eifrig las. Er bitte um eine Auskunft, sagte! er endlich nach langerwirrer Entschuldigung; ob es nämlich wahr sei, daß euch die Christen eine heilige Schrift hätten. Und als ich ihm dies bejahte, ob ich ihm das Buch nicht schaffen könne? Das berührte mich eigentümlich, aber ich versprach esldoch, es war eben der Wunsch eines Sterbenden und — „wer weiß die Wahrt eit? "! Aber es hatte seine Schwierigkeit, denn der Man» las nur hebräisch, und ich mußte mich erst nach Wien wenden uni eine Übersetzung, wie sie die Engländer zu Missionszwecken für Palästina haben anfertigen lassen. Das Buch ließ zwei Wochhn auf sich warten, und als es endlich kam, da konnte ich es dem Manne nicht mehr einhändigen. Es ivar auch überflüssig, denn damals wußte er wahrscheinlich schon! mehr, als er aus diesem Buche und aus allen Büchern der Welt hätte erfahren können . . . Was ist, yM und Leistet der Aeutsch-ZsraeMifche Oemeindebund. Unter bte( werden soll, ein wie sie sich der Verlaufe eines 35 em Titel ist (Berlin 1904) eine Schrift erschienen, welche unter Übergehung der Geschichte des Bundes; die bei einer späteren Gelegenheit geschrieben Gesamtbild der vielverzweigten Wirksamkeit des D. if. G. B., Grundlage der von den Statuten vorgeschriebenen Aufgaben im jährigen Bestehens ansgestaltet hat, zu geben ersucht. Wir lerneü zuerst den Bund als Organisator kennen. Es ist ihm gelungen zwei staatliche Behörden für jüdische Angelegenheit, sämtliche elf auf der Grundlage der Freiwilligkeit ansgebaute Verbände von Gemeinden, von denen die größere Zahl seiner Initiative jhre Constituiernng verdankt, und 850 Gemeinden, darunter alle großen und fast alle mittleren, sowie zahlreiche kleine in sich zu vereinigen. Zu wünschen bleibt, dhß die ihm noch fern stehenden Gemeinden sich anschließen um der ideellen und Materiellen Vorteile, die der Bund zu gewähren vermag, teilhaftig zu werden. Die wichtigste iheelle Leistung ist die Fürsorge für den Religionsunterricht in kleinen Gemeinden, denen es ohne Mitwirkung der „Gemeinde-UnterstützungS-