Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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römischen zu bezeichne pflegen. Ltt flr im zweite« Jahrhundert friedlicheB« haltniffe geschaffen hatt«i. erlebte er eine zweite Blütezeit, um sich dann laugstW^ wieder mehr und mehr zü orientalisieren und um sich schließlich zu derjenigen gattung auszuprägen, die wir die byzantinische nennen. Jnfolgedeffen wird auch anzunehmen haben, daß in Palästina die knnstgeschichtliche Entwicklung ander«, und zwar viel stetiger vor sich gegangen ist, als man das gemeinhin glaubt; man wird klassizistische Formen von einer gewiffen Reife, soweit sich solche ach palästinensischen Synagogen finden, nicht ohne weiteres mehr in römische Zeit verlegen dürfen. Die Synagogen selbst sind im allgemeinen rechtwinklig gebaut gewesen, mir Reihen von Säulen ausgestattet, deren größte Spannweite etwa vier- Meter betrug. Fenster scheinen die Wände nicht gehabt zu haben; vielmehr «WK die Synagoge ihr Licht von oben, derart, daß sie einfach einen von Säulen gebenen Hof bildete. Auf einer Seite findet sich in den erhaltenen Resten Nische, die dem heiligen Schrank der jetzigen Synagoge entspricht. An den befinden sich Reliefs, einmal eine Rose, von zwei knienden Lämmern flankiert; anderes Mal die Köpfe zweier Opfertiere nebst einem Kranz. Diese kunstgel liche Beleuchtung der ältesten Synagogen, die um so dankenswerter ist, als noch keine befriedigenden Darstellungen existieren, will Gurlitt später weiterfüh»». — In der letzten Sitzung des 35. Anthropologen-Kongresses am 6.' August re Greifswald kam es zu einer interessanten Debatte durch einen Antrag de- Herren Iun;, des Schatzmeisters der Frankfurter Anthropologischen Gesellschaft, der im H> weis auf die Stiftung des vor einigen Jahren verstorbenen Kölner NerveuarzW Dr. Mies, der er antisemitische Tendenzen unterschiebt, beantragte: „Die MieiiWs Stiftung zur Förderung der anatomischen und physiologischen Anthropologie Deutschland" enthält Bestimmungen, welche mit den Bestrebungen der deutsche« GeD sellschaft für Anthropologie nicht vereinbart sind. Da es sich überdies hcrausgestckkh hat, daß das Legat vom Erblasser nicht der Gesellschaft vermacht, sondern ihr: zur Verwaltung überwiesen worden ist, so beantragt der Unterzeichnete, diese waltung abzulehnen." Der Antragsteller sah in der Ausführung dieser Bestimmmy antisemitische Tendenzen, weit der Testator verfügt hat, daß nur immer zum Male die Stiftung einem Juden zufallen dürfe. Zunz hob hervor, daß er an durchaus neutral sei, er sei aber fortschrittlich freisinnig, und deshalb meinte er Recht, daß j bei der Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten nur die Qualität, « aber die Frage entscheidendsein dürfte, ob der Verfasser Christ oder Jude Die Gesellschaft dürfe sich nicht dazu hergeben, solchen Bestrebungen! schub zu leisten. Der Redner glaubte, die Annahme der Stiftung, die auf Kongreß in Lindau erfolgte, könne rückgängig gemacht werden, da sie unter fi Voraussetzungen erfolgte. Man möge sie daher den Erben zur Verfügung und sagen, diese Bestimmung paßt sich nicht für die Gesellschaft.- In der B, lung fanden diese Ausführungen entschiedene Ablehnung. Herr Sökeland-i