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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-09-01 · Heft 9 (1.9.1904) · p. Seite 199

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 9 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
Seite 199 (sequence 9)
Language
German
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Aufgabe der Menschen, bedeutet Heiligung. Versittlichung der Lebens. denn SittüchkeK. ist Selbstzweck. Vor den vielen bewundernswerten Vorschriften aber, die ausschließlich _ sittlichen Ei ziehung bestimmt find, wie z. B. das Gesetz der Fremden- und Armenbehandlung des Tier- und Planzenschutzes, das Verbot jeglichen Blutgenusies u. s. w. möchte ich nur zwei weil besonders bezeichnende hervorhebeu. Die Lehre von der Sünde durch Begierde, durch Gedanken, auch wenn sie nicht zu Taten führen, ja nicht einmal in Worten zum Ausdruck gelangen, hatzuerst das Judentum ausgesprochen, worin sicherlich nur das Bestreben nach individueller J Veredlung erblickt werden kann. Ein Moralgesetz, das nicht Selbstzweck ist, hat 4 nur wit Teten, nicht aber mit unausgesprochenen Gedanken zu rechnen. 1 Als zweites, des Judentumes Ethik charakterisierendes Moment möchte ich d n bekannten, vielumstrittenen Satz aufführen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Dieses Gebot ist tatsächlich Ureigentum des Judentumes, trotzdem die sogenannte s goldene Regel-auch von anderen Denkern und Religionsstiftern gelehrt ward, d««t die goldene Regel: „Was Du willst, daß man Dir nicht tue, das tue auch Deiwyj^ Nächsten nilht" ist eben nur eine Regel, eine aus der Erfahrung geschöpfte, daS Zusammenleben der Menschen bedingte Regel, in der des Altruismus uns $8» Zwecke des Egoismus gelehrt wird. Hilf, damit man dir hilft, schädige nicht, auf daß man dich nicht schädig^^ hat nichts mit dem sittlichen Empfinden des Menschen zu tun. Die es sward erst angerufen, als die Verbindung von Altruismus und iSmus in daS ungleich edlere Gebot der Liebe, der Menschen liebe, gekleidet Hilf deinen! Mitmenschen oder schädige ihn nicht, weil er als Mensch Ansi»r auf deine Liebe d. h. aus deine geneigte Gesinnung, deine Hilfsbereitschaft, Schutz hat! Hiermit offenbart sich sittliche Vertiefung. Die Bibel ist auch tutfe*; streitbar dcs älteste Gesetzbuch, in dem das Wort „Liebe" in diesem Zusamme»» hange Anwendung findet. Menschenliebe ist jüdisches Urprodukt. Dieses Bestreben der ganzen ethischen Gesetzgebung des Judentums — soweit sie nicht du cch lokale Verhältnisse bedingt erscheint oder fremde Elemente in ihr Ans^, nähme gefunden haben — dieses Bestreben die sittliche Erziehung und Weiter«^; Wicklung antnbahnen bedingte es auch, daß sie sich stets im Rahmen der durch die Menschennarur selbst gezogenen Grenzen hielt, allen unmöglichen Forderungen ai« aus dem Wege ging. So z. Blehrte sie Liebe nur für den nicht feindlich ge* finnten Mitmenschen, schrieb dagegen dem Feinde gegenüber nur Hilfsbereit Milde, Verleihung, nicht aber Liebe vor. Deshalb lehrte sie auch, daß H« sei als Unrechttun, nicht aber daß Unrechtleiden an sich eine sei. Ihre Aufgabe war vornehmlich die sittliche Erziehung zur WeiterentwickKvAZ diese aber bahnt sich nur an i!m Bereiche des wirklich Möglichen, im Rahmen dotz^ "4

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