Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Erfaßen Gotsts, dar Judentum, daz. Bunter Anpafiung an dir dvrch-HOMH störuug de- Tempelzu Jerusalem veränderten Berhältviffe seinen bis da^» Vordergründe deöffentlich-religiösen LebenS gestandenen OpferkultuS preiSgab sich zu der ungleich höheren Anschauung emporentwickelte, daß die Feueropfer-dp religiöses Empfinden, durch Gebet und Andacht ersetzt werden sollen, das JudeMW das in einer in der Geschichte einzig dastehenden Weise aus den Trümmern zusammengebrochenen Nationalität heraus zu neuem kräftigen Leben erstand geistige Empoientwicklung, durch Studium, durch Wissenschaft, von der R. Jo b. Sakkai ebei damals den bezeichnenden Ausspruch tat, daß der Mensch uur u« ihretwillen geschaffen worden sei, das Judentum konnte weder in seiner Lehre',- noch in seinen ganzen Wesen hemmend auf die Entwicklung der Menschheit wird«. Und tatsächlich war dies auch nicht der Fall. Einzig durch philosophierende Naturforscher ward in neuerer Zeit die Behauptung ausgesprochen, daß z. B. gerade der biblische Schöpfungsbericht sich alein solches Hemmnis der geistigen Entwicklung erwiesen habe und noch erweise. ' Ohne hier auf eine Beleuchtung des biblischen Berichtes vom Standpunkte d«r Naturwissenschaft einzugehen, möchte ich nur allgemein bemerken, daß er imMer^^ Jahrtausende l ang der Menschheit genügte und diese, erst als sie hierzu reif gewoÄeÜ^ ihren Kopernicus geboren habe. Seit dieser Zeit aber bildet der biblische Schöpfungsbericht ein HemumA der geistigen (Entwicklung nur durch jene, die ihn wörtlich zum Dogma erhöbe«' haben und heute noch als solches betrachten. Für das inoderne, zeitgemäß entwickelte Judentum aber bildet die Verbal»: inspiration durchaus kein Dogma mehr. Bis a»f den ja auch naturwissenschaftlich nicht gut anfechtbaren Grundge»- danken, daß ein Gott, ein Gott, der jedem menschlichen Erfassen absolut entrückt ist» der Urheber des Universums ist, besitzt die biblische Schöpfungsdarstellung religionsgeschichtliches Interesse als Denkmal der Vorstellungen früherer Zeiten, a! ein Denkmal allerdings, auf das das Judentum mit Recht stolz sein kann, einmä weil es dem religiösen Denken und Empfinden eines großes Teiles der £uft#r* Menschheit fast bis in unsere Zeit hinein genügte, dann aber weil es ein behrlicher Vorläufer unserer heutigen geistigen Entwicklungshöhe war. Damit aber wären wir bereits da angelangt, zu zeigen, womit daS tum fördernd jin die Entwicklung der Menschheit eingegrifsen hat. Stellest wir dies erst auf geistigem Gebiete fest. Wir stehen heute im Zeichen der Naturwissenschaft. Deren bisherige Fvvschnngsresultate haben uns nicht nur einen überwältigenden Einblick in die stätte der Natstr ermöglicht, sondern sie haben uns, was von unberechenbarer' weite ist, die Einheit, die innere Einheit der Natur trotz aller äußeren Man«!gst faltigkeit geofsstnbart. Eine Einheit bildet die organische wie anorganische RatW^ Mllii flMtiaiai üÜan m mm