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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-09-01 · Heft 9 (1.9.1904) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 9 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
Seite 194 (sequence 4)
Language
German
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Hat das Judentum die geistige und sittliche Entwicklung der Menschheit hemmend oder fördernd beeinflußt? Ich fasse hierbei das Judentum als Ganzes in's Auge, unbekümmert um die sonst übliche und auch notwendige Scheidung in Mosaismus, Prophetismus, "MalmudiSmuS. und Rabbinismus; denn, während die Scheidung dieser und noch -loeilerer.Perioden wohl geboten erscheint, wo es sich um die Geschichte des Judentums handelt, stellen sie sich dagegen da, wo die Beziehung des Judentumes zur ^allgemeinen Menschheitsgeschichte klargelegt werden sollen nur als Stufen einer über MöHrtausende sich erstreckenden Entwicklung dar, einer Entwicklung, deren einheitlich ^erfaßtes Gesamtbild sowie das eigentliche Wesen des Judentumes wie auch dessen Einfluß auf die Entwicklung der Menschheit umfaßt. In dieser Tatsache der Entwicklung des Judentums aber, einer Entwickelung, die mit Abraham und dem vielleicht aus Babylon mitgebrachten Namen Jahve lebt und heute noch nicht abgeschlossen ist, in dieser Tatsache ist zunächst schon >ie Beantwortung der allgemeinen Grundfrage gelegen, ob das Judentum überhaupt befähigt war auf die Entwicklung der Menschheit Einfluß zu übe». Ein Religionssystem, das keinerlei unbedingte Stabilität für sich in Anspruch nahm, vielmehr sich selbst, seinen Lehrgehält, seine Vorstellungs- und Glaubenswelt entsprechend der sich stetig erweiternden Erkenntnis und der dadurch bedingten Veränderung und Ausgestaltung des religiösen Empfindens ebenfalls ausgestaltete und entwickelte, ein solches was nicht nur befähigt sondern geradezu berufen die Entwicklung der Menschheit zu beeinflussen. Nur was absolut unveränderlich und vollkommen zu sein behauptete, hatte sich mit eben dieser Behauptung selbst sein Urteil gesprochen und sich aus den Reihen des Lebenden, weil stetig sich Entwickelnden, selbst ausgeschlossen. Aber auch ein die Entwicklung hemmender konnte der Einfluß des Judentums nicht sein. Denn» wie sein Entstehen und seine ursprüngliche Gestaltung selbst wieder nur das Ergebnis einer vorausgegangenen, heute vorläufig bis auf Hammurabi zurüögeführten Entwicklung war, so zeigt sein ganzer geschichtlicher Lauf das Bild einer steten, wenn auch über Um- und Abwege führenden Vorwärtsentwicklung, in der es die Keime, die in dem mit allen Vorzügen und Schwächen übernommenen Crbl: seiner Vorgänger enthalten waren, in überraschend kurzer Zeit zu Wahrheiten, zu heiligen, mit Lehre und Leben mit Wort und Tat geschirmten Wahrheiten auSgestaltete und das in einer Weise, die diese mit Recht als Ureigeutum des Judentums erscheinen lassen, zu Wahrheiten, niit deren Eintreten in die Geschichte eine neu« Epoche geistiger und sittlicher Entwicklung beginnt. Das Judentum, dessen Ideal schon in verhältnismäßig früher Zeit di« geistige Emporeutwicklung der ganzen Menschheit gewesen, dessen Propheten, wie z. B- Jesajah, den Wunsch aussprachen, daß „die ganze Erde erfüllt sein möge von der Erkenntnis Gottes" (Jes. 11, 9), von einem auf Erkenntnis beruhenden ' ‘ ~t ' TiiiliiiWfn

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