Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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gab, wo tie vornehmsten Kavaliere wegen der Tochter des Juden Jtzig sich bie Hälse brachen Überdies schlugen sie sich pour le roi de Prasse, denn Fanny bliebe einfach die Frau ihres Mannes und dachte nicht daran, irgend einem dieser Ritter auch nur «in Blümchen zu reichen. Was die Herren zu den schönen Frauen hinzog, war selbstverständlich zu»' nächst ihre Schönheit, aber gewiß nicht sie allein. Wir haben immer gedacht, bofci die jüdisch« Abstammung geradezu mitgeholsen hat, daß sie den Reiz dieser Schönheit eher rermehrte als verminderte. Sie wob um diese schwarzäugigen Salon» beherrscherinnen einen eigentümlichen fremdartigen Zauber, der ja iw der Literatur bereits seii en Ausdruck gefunden hat. Lessings Nathan wurde in Wien wenigstens gelesen, wenn auch noch nicht gespielt und wo eine Recha auftauchte, war auch schon der Tempelherr da, der sich in sie verliebte. Daß man nebenher die Juden verlästerte. hi iderte nicht, daß man die schönen Jüdinnen vergötterte. Ob auch Goethe seiner Marianne gegenüber den Prickel dieser exotischen Romantik verspürte, läßt stch weder behaupten, noch verneinen. Möglich ist es jedenfalls. Mehr noch als fein«j J Briese lassen seine flüchtigen Tagesnotize» ans einen hohen Grad von Vertraulich-t » keit schließen. Wenn er in Karlsbad mit ihr zusamnientrifft, kommt er ihr nicht- -s von der Falte und notiert in einem fort: „Abends bei Frau v. E." Fast täglichäj speist er bei ihr, täglich besucht auch sie ihn, täglich fährt er mit ihr spazieren, 'z Ein förmliches Zusammenleben, wie es in einem Badeorte sich leichter fügen mochte, als anderswo und aus dem man noch nicht das äußerste zu schließen braucht. Wir! J wollen nickt vergessen, daß sich der Dichter in seinem „Tagebuch", diesen Hoch gesang der deutschen Erotik, seiner ehelichen Treue berühmt und dies in einer Situation, wo dieses Selbstzeugnis Glauben verdient. Andererseits hielt er nach seinem eigeren Ausspruch „eine kleine Liebschaft" für den besten Kurbehelf und pries sich glücklich, daß es ihm fast bei jeder Badereise gelang, „irgend eine kleine Wahl-: * Verwandtschaft" zu finden. Seit seiner Flucht nach Italien war er ein weltweis«! Mann geworden, der seiner Leidenschaft Herr blieb und selbst die Stürme seiner' Seele wie ine Temperatur eines warmen Bades zu regeln verstand. Sie versieht ihn mit jüdischen Anekdoten, die in Weimar sofort von Tisch zu Tisch mindern. Sie besorgt ihm Einkäufe für das Weimarer Theater. Einmal s will er ihr eine Partie Kameen abkaufen und es ist nicht ohne Pikanterie, wie der - Dichter als echter Sammler und als guter Kaufmann, der er war, sich den mögüchst! günstigen P reis sichert Er verlangt ein Stück in den Kauf, er gehabt sich bei dem Handel beinahe jüdischer als die Jüdin. j Goethes Botschafterin nannten wir sie und schier hat es den Anschein, als wäre sie mi r seine Botenlänferin gewesen. Dem ist nicht so. Er muß auch ihr literarisches Urteil, ihren künstlerischen Geschmack hochgeschätzt haben; er macht sie z zur Vertranten seiner dichterischen Pläne, gönnt ihr Einblicke in die innerste Werkstatt. Sie wird nicht so unmittelbar bedeutsam für seine dichterische Produktion» D