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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-08-01 · Heft 8 (1.8.1904) · p. Seite 182

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 8 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
Seite 182 (sequence 16)
Language
German
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Sie ließ die beiden Sterne fortan in Asien leuchten, wo sie pensionsberechtigt war. Auch Sterne haben ihr^ irdischen Bedürfnisse. Nach einem Übereinkommen mit der Familie ihres verstorbenen Mannes »ahm sie den Namen eines reußischen Rittersitzes an und hieß fortstn Marianne von Eybenberg. Natürlich stellten sich die Verehrer auch in Wien; zahlreich genug ein und Feuersbrünste gab es an der Donau wie an der S^ree. Das Gerücht will sie einmal mit Gentz verheiraten (1803), sie schreibt jedoch an Goethe, an der Sache sei gar nichts. Gentz besuche sie zwar fast täglich, aber „ich gefalle ihm nicht einmal, es fällt ihm gar nicht ein, daß ich ein Weib bin". Anderen dürfte dies umso öfter eingefallen sein. In feinem Tagebnche spricht Gentz von einem „Engagement", das sie um diese Zeit mit Montjoie(Gras Frohberg) gehabt habe. Et selbst begnügte sich damals mit einen, Hintertreppenroman, indem er der Gesellschafterin der Fra» von Eybenberg, einer sehr putzigen Mlle. Rose, seine verliebte Anfmerksamkeit zuwendete, j Welchem engere»! Lebenskreise Marianne angehörte ist also klar. Obwohl ^rüh zum Christentum ühergetreten, muß sie mitgerechnet werden, wenn mau von jenen schönen und geistvollen jüdischen Frauen spricht, die vor etwa hundert Jahren in der vornehmsten Wiener Gesellschaft eine führende Stellung einnahmen. Es war beinahe selbstverständlich, daß sich die Baronin Eybenberg mit der Baronin Arnstein und der Baronin Eskeles eng befreundete. Sie waren ja auch durch Landsmannschaft eng an einander gebunden, denn seltsamerweise waren diese schönen Wiener Jüdinne» lauter Berlineriuucn, welche die Freude an einer edleren, geistig regsameren Geselligkeit aus ihrer Vaterstadt nach Wien mitbrachten. Die Arnstein und die Eökeles waren Schwestern,; sie hießen mit ihren Mädchennamen Franziska und Cäcilie Jtzig. Man denkt immer gleich an den Wiener Kongreß, wenn man ihren Namen hört, an die festlichen Tag^, wo in ihrem Hause Talleyrand, Wellington, Hardenberg, alle großen Staatsmänner! Europas glänzende Gastfreundschaft» genossen. Damals waren jedoch die beiden Damen schon zienilich bejahrt. Ihr Einfluß auf die Wiener Gesellschaft reicht viel wei er zurück, noch in die Zeiten Leopolds des Zweiten und Josefs des Zweiten, von welch letzterem erzählt wird, daß ihm die schöne Franziska von Arnstein, die geistig und leiblich bedeutendere von den beiden Schwestern, nicht ganz gleichgiltig blieb. Ein Minnehof von aristokratischen Bewunderer» scharte sich damals schon um die zwei! Damen. Jüdin, was verschlug es! Brauchten Geist und Schönheit ein Glaubensbekenntnis anzumelden? So wurden allerwärts die Altäre aufgerichtet und brünstige Gebete stiegen aus zu diesen alttestamentlichen - Madonnen. Es kam anw zu dramatischen Zwischenfällen, deren einer jene aus Feudalgrafen und Finanzbaronen so wunderlich gemischte Gesellschaft in bebende Aufregung versetzt haben muß. Um der schönen Fanny willen schlug sich ein jmiger Fürst Lichtenstein mit dem Domherrn Baron Weichs und verlor sein Leben in dem Zweikampf. In der historischen Entfernung stellt sich der Vorfall noch seltsamer dar. Viele werden heute kaum begreifen können, daß es in Wien eine Zeit

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