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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-08-01 · Heft 8 (1.8.1904) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 8 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
Seite 181 (sequence 15)
Language
German
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Botschafterin in Wien. Sie verkehrte in den Vornehmstert Kreisen, und zwar dem vertrautsten Fuße. Sie spricht von ihren guten Freunden und gemeint immer ein Prinz oder Fürst; sie spricht von ihrem Parrlinchen und gemeint i eine Prinzessin von Hohenlohe-Schillingsfürst. Obwohl von Haus aus eine bürgerliche, wird sie in der Gesellschaft für voll genoininen, darüber ist kein Zweifel »ud, man hält etwas auf ihre gute Meinung. Der alte Fürst de Ligne, der Bet der welschen Galanteriepoeten, preist den großen Goethe, den er mit AlexaudrMß» i und sonstigem polierten Versmaß überschüttet, ganz besonders als „am! de Mlnir; anne.“ Ihr Freund sein, das sei ein Bewejs von Herzensgüte,' eich Patent Liebenswt rdigkeit, das gelte ihm gleich einem Rechts- und einem Ehrentitel. Goethe weiß, daß er sich an die richtige Adresse wendet, wenn er die Freundin bittet, ih«i zu schildern, „was in der großen Welt inisbndig vorgeht"; dem Auswendigen jede andere Feder gewachsen. Die zwei Steine, die ihr, einer größer als der aüd diese „große Welt" versperrten, scheint sie leichthin mit den Fußspitzen weggef zu haben. Sie war nicht bloß eine Bürgerliche, sie war auch eine Jüdin, geborene Meyer, die Tochter eines reichen Berliner Kaufmannes. Die Raö über ihren wunderlich bewegten Lebensgang fließen leider recht spärlich. Sauer als Ludwig Geiger, der Bruchstücke ihrer Briefe schon im Goethe-Jahr veröffent! cht hat, vermag nicht einmal ihr Geburtsjahr anzugeben, was für" Leser und die Arbeit seiner Phantasie eine empfindliche Lücke bedeutet. Im 1808 behauptet sie, nun sei sie alt geworden. ohne klng geworden zu sein ihrem Alier aber kokettiert eine Frau nur, so lange sie noch ziemlich jung ist. Jahre spiter, 1810, findet sie Goethe, „umringt von Verehrern", die sie dafür den Hän)en tragen. Sie war vielleicht um diese Zeit 35 Jahre alt, und Wahrscheinlichkeitsrechnung dürfte mit allen ihren Lebenslagen stimmen. Als ' sie zum rrstenmal in Karlsbad sah, wäre sie dann als blendende Schönheit zwanzig Jahren vor seinem Kennerauge gestanden. I n Berlin wirkte diese Schönheit unter den Männerherzen wie ein Br unter hölzernen Schiffen. Wohin ein Funke flog, gab es eine Feuersbrunst, gefährlickflen wurde der Zündstoff de» Diplomaten. Graf Geßler, der fäö Gesandte, war sterblich in sie verliebt, der junge Graf Bcrnstorff, ein Däne, sie schlechterdings heiraten, doch gerade am Tage, wo er den Widerstand Familie endlich besiegte, heiratete sie einen andere», den Fürsten Heinrich Vierzehnten von Reuß, einen häßlichen alten Mann, der, geistig nicht unbed seit l 785 als österreichischer Gesandter in Berlin lebte. Die Ehe soll eine liche gewesen fein. Marianne wohnte nicht im Hause des Gesandten, wurde überall als dessen rechtmäßige Gattin betrachtet. Galant bis znm Heroismus' ihr bereite Fürst schon 179J den Gefallen, zu sterben. Sie war nun »icta- und wollte es bleiben. In diesem Jahre, schreibt einer ihrer Bewunderer- Augen siien „die schönsten, die jemals am Himmel oder auf Erden geleuchtet i

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