Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-08-01 · Heft 8 (1.8.1904) · p. Seite 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 8 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
Seite 179 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969988-2969997--7343-2978026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 179 In be(c Schlußverhandlung — Sie wisse» — hatte ich das traurige Exama^ glänzend beständen, aber manchmal brachte, mich Karl Eötvös — Gott geleite auf allen seinen Wegen — doch in Verlegenheit. Für solche Fälle war mir tD? Trotz als Antwort einstudiert. Sonderbar, wieviel Mut und Kraft ich aus der Tatsache schiwfte, daß das Publikum im Saale meine Aussagen mit brausende«. Beifall ausgenommen hatte. Der Beifall gefiel mir, er berauschte mich. Daübrige brachte die tägliche Präparierung fertig. Der Zeuge Gcndarni Barczy verkehrte öfters bei Henters. Einmal, imch dem Abendes en, rief er mich zn sich und fing ein Gespräch an: Ich sagte ihm natürlich meine Lektion fließend her, wie der erste in der Klasse, er bestürmte mich mit Kreuz fragen »ich als er merkte daß er mich schwankend gemacht, fragte er mich plötzlich: „D i Moritz, wenn man dich bei der Verhandlung fragen würde, ob dich nicht »Bandi Rccsky zu dieser Aussage gezwungen, was würdest du sagen?" Daß es wahr ist. da er mich in der Tat dazu gezwungen hat- Seitdem., habe ich Rectky nicht mehr gesehen. Diese Szene kam auch in der BerhaudUtlüf zur Sprache und — tief schäme ich mich, dies war die erste, selbstständige, einstudierte L üge — ich leugnete sie ab. Was nach der Verhandlung geschah, habe ich Ihnen erzählt. Mein hat mir nie auch nur mit einem Wort Vorwürfe gemocht. Gleich nachdem ich Henters Hästden befreit war, kam ich zu meinen Eltern und von da hierher. Und dies alles erzähle ich Ihnen deshalb, weil ich auch dies ins 9fcoMy gebracht haben möchte. Mein Vater schrieb mir vor zwei Jahren, ich möge KarM Eötvös, der damals an der Geschichte dieses Prozesses arbeitete, Einzelheiten über meine Erlebnisse mitteilen. Aber ich wollte meinerseits keinen Einfluß auf die Sache ansüten. Aber nun, da das Werk erschienen, steht mir nichts im W^e, auch ein Wort zu sprechen. Dann zitierte Scharf aus der Rede des Staatsanwa! die Worte: Ich möchte die Blätter aus der Geschichte Ungarns ausreißen, ich möchte diese Blätter aus der Geschichte meines Lebens ausreißen," sagte ■«£ „Ich fühle »ine Gewissensbisse, da ich ja nur das . willenlos gemachte Werkzeug ftstjl die bösen Pläne jener Ruchlosen war. Aber leid, sehr leid tut es mir» daß gergW ich der berühmte Moritz Scharf sein mußte. Warum, warum mußte gerade ich eS sedr^i Tief Karl Eötvös erschüttert hörte ich die Erzählung Moritz Scharfs an. Ich bot ih» Werk an und versprach ihm, ein Wörterbuch zu schicken, mit deffm Hilfe er feiste und der anderen traurige Geschichte ausbuchstabieren könne. Er nahm das Buch an und übersetzte gleich zur Probe den Titel des Bu und fügte d^n Vers aus Schillers Glocke hinzu „Roch dauern wird's in späten Tagen ' Und rühren vieler Menschen Ohr!" 3 ütttfmm üb

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.