Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969988-2969997--7341-2978024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wurde ich wiederholt vernommen. Auch Peczely war dort und sein Sekretär, wie sich später herausstellte, schon einmal wegen Raubmord verurteilt war sprachen von den Juden, ich hörte in einer Ecke zu. Man sagte mir öfterwas ich später aussagte. Nachher führte man mich in die Küche, wo man mir? essen vorsetzte, aber ich wies alles zurück, meine Religion verbiete mir den solcher Speise», sagte ich. Ich hatte Schlaf und man ließ mich niednlk Plötzlich weckte man mich, führte mich nochmals vor den Gendarm und Rv stellte Peczely als Geistlichen vor. Peczely forderte mich sodann auf, die Wahrheit zu sagen, sonst öffne» vor mir die Pforten der Hölle. Ich blieb bei meinen Aussagen; man z» schimpfte mich und drohte mir. Schließlich, als vor Schlaf meine Augen machte ich halb unbewußt die Aussagen, welche man mir diktierte. Sofort na man sie zu Protokoll. Recsky diktierte und ich sagte auf alles ja- Nachdem^ fertig war, legte mau es mir vor, ich solle es unterschreiben. Als ich dieS frug mich der Geudarin: „Warum sagtest du dies alles erst jetzt aus?" „Weil? muß", war meine Antwort. Darauf hob mich Recsky bei den Ohren in die schüttelte mich, drohte, mich umzubringen, wenn ich mich getraue, was anderes zu fä als was im Protokoll aufgenommen war. Man ließ mich niederlegen. Ith ganz zerknirscht und gequält. Noch einmal weckte man mich in derselben Na Der Untersuchungsrichter Barry vernahm mich von Neuem. Auch hier sagte zu allem ja und man nahm darüber Protokoll auf. Es ist sonderbar, daß ich Barry während des Berhöres für einen sy thischcn guten Menschen hielt. Ich sagte ihm auch später unter vier Augen, ga vertrauensvoll, daß meine Aussagen unwahr seien und daß der Gendarm mich zwang, worauf Barry ernst und entschlossen erwiederte: „Mein Sohn, waS Mensch einmal gesagt hat, dabei soll er bleiben." Sonst sprach er kein Seitdem stand ich, so oft ich vor Barry erschien, im Banne einer drüö zwingenden Macht. Nachher erzählte mir Scharf die Phasen der bekannten Affaire. Man braö ihn ins Gefängnis nach Nijiregyhaza und setzte ihn ins Wachzimmer. Einmal, fuhr Moritz fort, hörte ich in später Nachtstunde aus einer i»> Korridor des Wachzimmers die leisen, rufenden Worte meines BaterS. schlich mich leise hin, mein Vater fragte leise: „Mein Kind, was hast du dem Untersuchungsrichter gesagt, ich hörte, habest mich des Mordes beschuldigt?" Ich hatte nicht den Mut, meinem Vater die Antwort zu gestehen und eine ausweichende Antwort. Er munterte inich auf: „Lenke nicht ab von der heit, mein Kind, verlasse ihre Pfade nicht, Gott. Israels Gott, wird auch harten Schlag von uns abwälzen."